Versicherungsbetrüger und ihr kreatives Potenzial

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19. Februar 2015 / geposted in Allianz Welt / 0 Kommentare / von Markus Hinterberger
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Im zweiten Teil meiner Serie – 1. Teil hier – zum Thema Versicherungsbetrug befasse ich mich dieses Mal mit besonders skurrilen Fällen. Dabei fällt eines sofort auf: Der Phantasie der Menschen sind fast keine Grenzen gesetzt, wenn es um Versicherungsbetrug geht. Sogar vor Selbstverstümmelung wird nicht zurückgeschreckt, besonders dann, wenn es mit dem lieben Geld einmal knapp werden könnte.

Fall 1: Luxusauto in See versenkt

Der amerikanische Autohändler Andy House hat seinen Bugatti Veyron in der texanischen La-Marque-Lagune versenkt – aus Versehen, wie er behauptet. Denn laut seinen Angaben gegenüber der Polizei ist ihm das Handy während der Fahrt heruntergefallen, und als er wieder auf die Straße blickte, stand ihm plötzlich ein Pelikan im Weg. Um mit dem Tier nicht zu kollidieren, wich Andy House zur Sicherheit in den See aus.

Ganz anders sieht das seine Versicherung. Diese hat die Vermutung, House habe seinen Luxusschlitten mit purer Absicht in die Fluten gelenkt. Und damit könnte die Versicherung nicht so verkehrt liegen, wie ein YouTube-Video zeigt – von einem Pelikan ist hier weit und breit nichts zu sehen. Auch Bremsspuren suchten die Polizeibeamten vor Ort vergebens. Die Vermutung liegt also nahe, dass es sich dabei um einen dreisten Fall von Versicherungsbetrug handelt.

Fall 2: Finger weg – schrecklicher Unfall oder pure Absicht

Um einen weitaus schmerzvolleren Vorfall geht es im zweiten Fall. Laut eigener Aussage wollte der Versicherungsnehmer ein Vogelhäuschen und ein Schild selbst bauen. Am Ende stand er allerdings ohne Daumen und Zeigefinger der linken Hand da. In einer kurzen Pause, in der sich der Bastler etwas zu trinken holen wollte, sah er, wie sein Hund in die Nähe der Kreissäge kam. Als er den Hund vom Gerät wegziehen wollte, stolperte er über den Hund und rutschte laut seinen Angaben an der Säge ab. „Danach fehlt mir die Erinnerung. Ich weiß erst wieder, wie ich mir in der Küche ein Handtuch um die Hand gewickelt habe“, so der Versicherungsnehmer.

Versicherungsbetrug kann schmerzhaft sein

Selbst vor eigenen körperlichen Schmerzen schrecken Versicherungsbetrüger nicht zurück. © Fotolia

Die Versicherung schenkte dieser Version keinen Glauben und weigerte sich, die Versicherungssumme von rund 1,4 Millionen Euro zu zahlen. Auch, weil mehrere Gutachten zu keinem einheitlichen Ergebnis kamen. Etwas eigenartig verlief auch die Fahrt ins Spital: Der Verletzte fuhr noch mit dem eigenen Pkw ins nächste Krankenhaus, dort angekommen, fehlten allerdings plötzlich die beiden abgeschnittenen Finger, welche er vor der Autofahrt noch in ein Handtuch gewickelt hatte. Die Finger wurden erst einige Tage später von seiner Frau gefunden. Geldprobleme stritt der zu diesem Zeitpunkt bei einer Versicherung tätige Verletzte gegenüber dem Gericht ab: Mittlerweile arbeitet der 50-Jährige als Aushilfe auf dem Wochenmarkt. Und ein endgültiges Gerichtsurteil liegt noch nicht vor.

Fall 3: Professionelle Autobumser und ihre Spielchen

Vorfälle dieser Kategorie zählen mitunter nicht zu den skurrilsten Fällen, dürfen in dieser Auflistung aber trotzdem nicht fehlen.

Kurzer Blickkontakt mit dem anderen Verkehrsteilnehmer, er gibt ein Handzeichen und überlässt Ihnen damit die Vorfahrt. Sehr nett! Einen Moment später ist der Unfall auch schon passiert: So in etwa sieht die Vorgehensweise von sogenannten Autobumsern aus, denen Sie gerade gezielt zum Opfer gefallen sind. Das Problem dabei: Autobumser sind nicht erkennbar. Noch viel schlimmer ist aber, dass sie sich ihre Opfer selbst und ganz bewusst aussuchen. Besonders beliebt sind weibliche Autofahrer höheren Semesters, die eventuell ein auswärtiges Kennzeichen haben und im Idealfall auch noch alleine im Auto sitzen. Somit haben Sie im Gegensatz zum Autobumser keinen mitfahrenden Zeugen, der für Sie vor den Behörden aussagt.

Versicherungsbetrug: Autobumser haben einen Plan

Professionelle Autobumser suchen sich ihre Opfer gezielt aus. © Allianz

Gefährliche Stellen für solche Vorfälle sind speziell ruhige, schwer einsehbare Rechts-vor-links-Kreuzungen oder Fahrbahnverengungen, um Streifschäden zu verursachen. Dass die Betrüger oft professionell vorgehen, macht für Sie die Sache nicht leichter. Es gibt aber auch Einmaltäter, die versuchen, auf diese Weise Geldsorgen zu lösen. Wichtig: Haben Sie den Verdacht, Opfer eines solchen Vorfalls geworden zu sein, lassen Sie das Ihre Versicherung und die Polizei wissen!

Fall 4: Ein Dreijähriger und sein Duell mit einer Harley-Davidson

Versicherungsbetrüger machen anscheinend auch nicht vor der Instrumentalisierung von Kleinkindern halt. Speziell dann, wenn es die Kleinen auf großformatige, rund fünf Kilogramm schwere Fernseher oder andere Haushaltsgegenstände abgesehen haben, wenn man diversen Schadenmeldungen glaubt. Besonders merkwürdig war aber ein Fall, in dem ein Dreijähriger eine etwa 300 Kilogramm schwere Harley-Davidson umgeworfen haben soll. Diese Schadensbeschreibung kam dem Schadensbearbeiter eigenartig vor, weshalb gezielt Nachforschungen angestellt wurden. Und siehe da: Es hat sich herausgestellt, dass dieses Motorrad doch nicht einer Attacke des jungen Mannes zum Opfer fiel. Die Versicherung hat dann natürlich nicht bezahlt und damit die Versichertengemeinschaft (also die Kundinnen und Kunden!) vor finanziellem Schaden bewahrt.

Fall 5: „Fall Lucona“ geht in österreichische Kriminalgeschichte ein

In der österreichischen Kriminalgeschichte einmalig ist der „Fall Lucona“, bei dem ein ganzes Schiff transportversichert und danach absichtlich mit Sprengladungen im Meer versenkt wurde.

Die Lucona war ein Massengutfrachter, der im Zuge eines versuchten Versicherungsbetrugs durch eine Explosion am 23. Jänner 1977 im Indischen Ozean versenkt wurde. Mit diesem Ereignis begann gleichzeitig die Aufdeckung des größten politischen Skandals Österreichs in der Zweiten Republik. Die Lucona wurde 1976 von Udo Proksch, dem damaligen Prokuristen des Wiener Kaffeehauses Demel, gechartert. Bevor die besagte Schiffsreise starten konnte, ließ Proksch den Transport bei der damaligen Bundesländer-Versicherung mit einer Versicherungssumme von umgerechnet über 15 Millionen Euro versichern. Laut Frachtpapiere war das Schiff mit einer Uranerz-Aufbereitungsanlage beladen. Tatsächlich war nur schrottreifes Graffelwerk an Bord. Wahrer Wert dieser Ladung: höchstens 70.000 Euro. Als das Schiff im Zuge des „Unfalls“ im Meer versenkt wurde, hegte die Bundesländer-Versicherung den Verdacht, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging und verweigerte daraufhin die Auszahlung der Versicherungssumme, was sich als richtig erweisen sollte.

Erst 1985 wurde Proksch verhaftet, insgesamt 53-mal vernommen und später wieder freigelassen. Proksch flüchtete daraufhin nach Manila, wo er sich einer Gesichtsoperation unterzog, welche allerdings nicht viel brachte – bereits am Flughafen in Schwechat wurde er erkannt. 1992 kam es schlussendlich zum Schuldspruch gegen Proksch, er wurde wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und starb 2001 in Graz den Herztod.

Im dritten Teil der Serie über Versicherungsbetrug werfe ich einen Blick hinter die Kulissen und begleite die Kolleginnen und Kollegen der Schadenermittlung der Allianz bei ihrer täglichen Arbeit. Welchen Aspekt soll ich für Sie besonders beleuchten? 

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