Versicherungsbetrug – ein Kavaliersdelikt?

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3. Februar 2015 / geposted in Allianz Welt / 6 Kommentare / von Markus Hinterberger
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In einer mehrteiligen Serie widme ich mich dem Thema Versicherungsbetrug. Im heutigen ersten Teil gehe ich unter anderem der Frage nach, wie hoch der durch Betrug verursachte finanzielle Schaden für Versicherungen ist, in welchen Bereichen Versicherungsbetrug vorkommt und ich versuche zu klären, ob es den typischen Versicherungsbetrüger überhaupt gibt. Weitere Teile werden sich unter anderem mit den skurrilsten Fällen von Versicherungsbetrug befassen und ich blicke auch hinter die Kulissen der Schadenermittlung der Allianz.


Eine beschädigte Brille hier, ein kaputtes Smartphone dort, ein nicht plausibel klingender Unfallbericht – die Liste von Schadenmeldungen, bei denen der Wahrheitsgehalt nicht zu hundert Prozent stimmt, ließe sich noch weiter fortsetzen. Nicht immer müssen es die großen Betrugsfälle sein, wie die Vergangenheit zeigt. Durch die verschiedensten Arten von Betrug entsteht zum Beispiel den deutschen Versicherungen laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (kurz: GDV) allein in der Schaden- und Unfallversicherung ein Schaden von rund vier Milliarden Euro pro Jahr. In Österreich gibt es aktuell keine konkreten Zahlen dazu: Vor einigen Jahren hat allerdings die Austrian Federation of Independent Loss Adjusters (A.F.I.L.A.) den durch Betrug verursachten Schaden für Versicherungen mit 500 Millionen Euro pro Jahr beziffert.

Betrugsdreieck als Ausgangspunkt vieler Handlungen

Dr. Donald R. Cressey, seines Zeichens amerikanischer Kriminologe, entwickelte bereits in den 1950er Jahren das sogenannte Betrugsdreieck. Laut seinem Modell spielen bei Wirtschaftsdelikten üblicherweise drei Faktoren zusammen: Motivation, Rechtfertigung und Gelegenheit treffen bei Betrugsfällen aufeinander.

Betrugsdreieck

Betrugsdreieck nach Dr. Donald R. Cressey: Motivation, Rechtfertigung und Gelegenheit spielen in seinem Modell wesentliche Rollen. © www.nodon.ch

 

Besonders bei kleineren Schäden und dem Ausblick auf den einen oder anderen Euro mehr ergreifen Einzelne schon mal die Gelegenheit, ihre Versicherung „nicht ganz legal“ zur Kasse zu beten. Auch deshalb, weil unter der Bevölkerung die weit verbreitete Meinung herrscht, dass Versicherungsbetrug ein Kavaliersdelikt sei. Falsch, das stimmt nicht. Versicherungsbetrug ist strafbar!

Darüber hinaus ist Versicherungsbetrug auch ein Vergehen an der gesamten Versicherungsgemeinschaft – an Bekannten, Verwandten, Freunden oder an den eigenen Nachbarn – das auch bei der Anpassung von Versicherungsprämien eine Rolle spielt. Für den, der beim Betrug erwischt wird, kann das böse Folgen haben: Neben der Kündigung des Versicherungsvertrages und der Rückforderung sämtlicher durch den Vorfall entstandener Kosten droht dem Betrüger auch eine strafrechtliche Anzeige. Versicherungsbetrüger sind sich zum Teil gar nicht bewusst, dass sie in diesem Moment eine kriminelle Handlung begehen, die strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, wie Experten immer wieder betonen. Wird man erwischt, können die Strafen – je nach Schwere des Betrugs – erheblich sein:

  • Das Strafmaß für Versicherungsmissbrauch nach § 151 StGB umfasst laut Gesetz eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten bzw. eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen.
  • Im Falle des schweren Betruges nach § 147 StGB droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren, bei Herbeiführung eines 50.000 Euro übersteigenden Schadens sogar mit bis zu zehn Jahren.

Gibt es den typischen Versicherungsbetrüger?

Nein, den gibt es nicht. Versicherungsbetrug kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor und ist in den verschiedensten Formen anzutreffen. Laut dem ehemaligen Leiter des Wiener Sicherheitsbüros Max Edelbacher, der auch viele Jahre das „Büro zur Bekämpfung des Versicherungsbetruges“ für die österreichische Versicherungswirtschaft leitete, sind 85 Prozent der Versicherungsbetrüger Menschen wie wir. 12 Prozent gehören Berufsgruppen an, wo es vermeintlich leichter ist, dass ein Betrug unentdeckt bleibt. Drei Prozent des Versicherungsmissbrauchs gehen auf das Konto der organisierten Kriminalität. Was haben aber alle diese Gruppen gemeinsam? Sie sind lernfähig. Wie jede Branche entwickelt sich auch dieses Geschäft weiter. Die Betrüger werden raffinierter, sie „verbessern“ ihr Vorgehen und steigern so auch das Ausmaß des Betrugs.

Welche Fälle riechen nach Betrug?

Betrug zieht sich eigentlich durch alle Versicherungssparten. Die häufigsten Fälle betreffen Schadenmeldungen, bei denen eine Sache wie beispielsweise ein Fahrrad oder Ski als gestohlen gemeldet wurden, obwohl es noch im Besitz des Versicherungsnehmers steht. Bei einem beschädigten Smartphones kurz bevor ein neues Modell auf den Markt kommt, schaut man als Versicherung auch mindestens zweimal hin. Außerdem erfährt man dank der einen oder anderen Schadenmeldung auch, wie stark Kleinkinder tatsächlich sein können: Denn es kommt schon mal vor, dass ein Baby den neuen großformatigen Fernseher umstößt und dadurch ruiniert.

Hammer zerschlägt Smartphone

Wie es der Zufall so will: Kurz vor der Einführung eines neuen Modells häufen sich die Schäden an Smartphones. © Fotolia

 

Schon in den höhergradig kriminellen Bereich gehört es, wenn der eigene Pkw im benachbarten Ausland verkauft und in Österreich als gestohlen gemeldet wird, wenn in der Kraftfahrzeugversicherung unbeschädigte Fahrzeuge absichtlich in eine Kollision verwickelt werden – und man sich danach an den Versicherungsleistungen bereichert. Was hinter den sogenannten „Autobumsern“ steckt, erfahren Sie in einem späteren Teil der Serie.

Aber auch im Bereich der Personenversicherung kommt es auf unterschiedliche Art und Weise zu Betrugsfällen. Wer beispielweise Geldprobleme hat und absolut keinen anderen Ausweg mehr sieht, versucht auf mitunter illegalem und vor allem sehr schmerzvollem Wege zu Geld zu kommen: Glücklicherweise passiert es allerdings eher selten, dass von abgeschnittenen Fingern, Zehen oder in extremen Fällen von abgeschnittenen Händen in Schadenmeldungen zu lesen ist. Mehr skurrile Fälle zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Eines sei zum Abschluss des ersten Teiles aber gesagt: Versicherungsbetrug ist glücklicherweise nicht alltäglich. Das falsche Spiel mit der Versicherung wird nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung praktiziert. Es gehört keines Falls zum Tagesgeschäft in der Allianz. Trotz allem entstehen der Versicherungsbranche durch solche „Aktionen“ Verluste in Millionenhöhe.

Im zweiten Teil: Besonders skurrile Fälle von Versicherungsbetrug.

6 Kommentare
  • Wie finde ich heraus bei welcher Versicherung mein Vermieter das Gebäude versichert hat ?

    Ich kann durch Videomaterial beweisen das mein Vermieter beim diesjährigen Hagelunwetter in Mittelkärnten der Versicherung Vorbeschädigungen des Daches verschwiegen hat. Die Rechnung vom Dachdecker beträgt über 50.000 Euro. Will nicht zur Polizei.

    • Hallo Martin,
      leider gibt es keinen anderen Weg, als den Vermieter direkt zu fragen.
      Wenn Du tatsächlich einen Verdacht und/oder Beweis hast, dann können wir Dir nur raten, diesen zu melden.

  • Hallo..
    Ich bineinem Autobumser auf der Spur.
    Ich überholte ihn rechts und der Fahrer lenkte mutwillig in mein Fahrzeug und sprang mit seinem Range Rover an meiner linken Seite vorbei und demolierte diese von hinten bis vorne. Der RR hob regelrecht ab und wurde unkontrollierbar.
    Die Versicherung des RR läuft auf eine Bezirksanwältin, die seine Verwandte ist.

    Vor Gericht steht der SV (auch bekannt mit ihm und der Bezirksanwältin) als Gott da und stellt fest, dass nur ich dem RR reingefahren sein musste. JEINE CHANCE DIESEN „BEWEIS“ ZU WIDERLEGEN.. ICH BLEIBE AUF meinem Schaden sitzen.

    Tjaa.. Vor Gericht behauptete dieser alte Fahrer auch, dass er sein Fahrzeug reparieren ließ, in Eigenregie.

    Dies überprüfte ich heute. Siehe da, keine Reparatur, im Gegenteil noch größere Schäden.. Die Stoßstange durch gebrochen und extremere
    SPUREN als nach unserem mutwillig verursachten Unfall…

    Ich denke, er begeht Versicherungsbetrug. Wie kann ich ihn überführen? Wo melde ich das?..

    • Hallo,
      wenn Sie vermuten, dass es sich um Versicherungsbetrug handelt, schalten Sie bitte unbedingt die Polizei ein und informieren Sie die beteiligten Vesicherungen. Bei der Allianz können Sie Schadenangelegenheiten an die Telefonnummer 05 9009 9009 melden oder via E-Mail an schaden@allianz.at. Die Kolleginnen udn Kollegen kümmern sich dann darum, dass die richtigen Stellen im Haus damit befasst werden.
      Vielen Dank für Ihren Hinweis!
      Josef Glatzl

  • Was soll ich machen eine Frau hat 2 mal den Schaden was sie selbst verursacht ausbezahlt bekommen . Beim auro nichts gemacht. Ich weiss nur das ihr verwandter eine Werkstatt hat zu einer Rechnung gelangen nicht schwer

    • Liebe Frau Salvenmoser,
      wenden Sie sich doch bitte an unsere Ombudsstelle unter feedback@allianz.at. Die Kollegen helfen Ihnen gerne weiter.

      Liebe Grüße aus der Blog-Redaktion
      Lisa Wissenwasser

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