The Fast and the Furious

© ÖOC Domanski


13. Oktober 2014 / geposted in Allianz Welt / 0 Kommentare / von Dietmar Türk
  • Der Inhalt ist nicht verfügbar.
    Bitte klicken Sie auf diesen Banner um Cookies zu akzeptieren und fortzufahren.

Dutzende Leinen, Schnüre und Rollen – und kein blasser Schimmer, wie das alles zusammenhängt, um das Schinakel in Bewegung zu setzen. Segeln ist eine Geheimwissenschaft mit sieben Siegeln. Nichts für Leute wie mich, die schnell und bequem von A nach B kommen wollen. Für das österreichische Olympia-Team Matthias Schmid und Florian Reichstädter ist es normale Arbeitsroutine. 280 Tage im Jahr.

Einen ihrer wenigen freien Tage verbrachten die beiden am 4. Oktober am Neusiedler See. Aber nicht zum Faulenzen, sondern weil wir die Olympioniken dafür gewinnen konnten, sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Facebook-Gewinnspiels in die Geheimnisse des Wettkampf-Segelns einzuweihen.

Ein Tag, an dem so manches Seemannsgarn gesponnen wurde – aber in der Hauptsache ging es darum, den GewinnerInnen Profi-Tipps mit auf den Weg zu geben. Und die sind der passionierten Seglerin Doris Pötschner immer willkommen. Die zertifizierte Vermögensberaterin nennt seit heuer ein Segelboot am Traunsee ihr Eigen, wo sie seither gemeinsam mit ihrem Mann fast jedes zweite Wochenende verbringt. „Der erste Urlaub mit meinem Mann war ein Segelurlaub in Griechenland mit einem einheimischen Skipper. Seit damals hat sich dieses Freiheitsgefühl so tief eingebrannt, dass wir sofort nach unserer Ankunft in Österreich den Segelschein gemacht haben.“

Doris Pötschner (rechts im Bild)

Doris Pötschner (rechts im Bild)

Sie sind nicht als Meister vom Himmel gefallen

Unsere beiden Olympia-Starter haben zwar schon im zarten Kindesalter die Segel gehisst, aber das, was sie tun, wurde ihnen nicht in die Wiege gelegt, von Talent kann also keine Rede sein. Das wiederum spricht für den Fleiß und die Willensstärke zweier Wiener, die auszogen, um die Weltmeere zu besegeln – und das in einer olympischen Disziplin, mit ungemein hoher Schlagzahl und stattlicher Beute.

Matthias Schmid kann nicht ohne Florian Reichstädter und umgekehrt. Das an 280 Tagen pro Saison, seit 14 Jahren durchgehend. Die beiden teilen sich ein 4,7 Meter langes Boot und leben aus der Tasche, denn gesegelt wird dort, wo die Musik spielt. Ozeanien, Florida, Emirate, China, im hohen Norden, im südlichen Europa und gerade aktuell vor Rio de Janeiro. Dort finden 2016 die Olympischen Sommerspiele statt, und dort will das rot-weiß-rote Duo den Gipfelsieg.

„Bei uns hat es in der Volksschule die Möglichkeit gegeben, das Segeln auf der Neuen Donau zu lernen, das habe ich ausprobiert und bin hängengeblieben“, blickt Florian Reichstädter, Vorschoter und damit der Mann am dünnen Drahtseil, an seine Anfänge zurück. Schmid hatte seinen sportlichen Ursprung im burgenländischen Breitenbrunn. Dort waren die Eltern gerne und oft, aber nicht unbedingt des Segelns wegen. Matthias schon. „Ich habe mit sieben meinen ersten Holz-Opti bekommen, habe mich am Wasser sofort wohlgefühlt, mir hat das von Anfang an getaugt.“

Auf Kurs zur Weltklasse

In der Jüngstenklasse Freunde, aber Gegner, wechselten sie 2000 gemeinsam in die 470er-Klasse und starteten in die olympische Umlaufbahn. Vier Jahre später landete das Duo mit Gold bei der Studenten-Weltmeisterschaft den ersten Volltreffer, 2006 spuckte die Weltrangliste die Österreicher auf Position drei aus. Es gelang die Qualifikation für die Olympischen Spiele, das Debüt erfolgte 2008 vor Qingdao im chinesischen Meer und endete mit Rang 23. Dann gelangen Top-Platzierungen bei den Weltcups vor Melbourne, Kiel und Miami und die zweite Olympiateilnahme, bei der man bis zur Halbzeit auf Medaillenkurs segelte. Unterm Strich blieb beim Battle vor Weymouth (GBR) Olympia-Rang neun und der Folgeschluss, dass das zwar absolute Weltklasse ist, aber noch nicht alles sein kann.

Kein Stein bleibt auf dem anderen

Unmittelbar nach den Spielen von 2012 stellte das Duo unter der Regie von Morgan Reeser und Georg Fundak radikal um. Anderer Hersteller, anderer Mast, anderes Set-up, geänderter Fahrstill, noch mehr Kommunikation, optimierte Entscheidungsfindung. Die Synergie aus Reeser, einem US-Amerikaner, der Griechenlands 470er-Damen bei ihren Heimspielen 2004 zu Gold und Englands 470er-Herren acht Jahre später ebenfalls mit Heimvorteil behaftet, zu Olympiasilber dirigierte – und Fundak, seit drei Jahrzehnten Sportdirektor des Segel-Verbandes und damit hauptverantwortlich für die Olympiasiege von Hagara/Steinacher (2000, 2004) und Christoph Sieber (2000) sowie der Silbernen von Andreas Geritzer (2004), schufen ein optimales Umfeld, in dem der Umbau mit aller Konsequenz und der notwendigen Ruhe vollzogen werden konnte. Bis 2014 ließ man sich Zeit und keinen Stein auf dem anderen, dann wollte man wieder Präsenz und aufzeigen.

„Gemma, geht schon!“

Und ausgerechnet bei den beiden Zielpunkt-Regatten der heurigen Saison ging die Saat tatsächlich auf. Mit Platz zwei bei der Europameisterschaft vor Athen holten Schmid/Reichstädter ihre und Österreichs erste EM-Medaille in dieser Bootsklasse, bei der Weltmeisterschaft sicherte das Duo der Nation den Olympia-Quotenplatz für Rio. Vor der Umstellung einzig bei Starkwind eine Bank, stechen nun Allround-Qualitäten hervor. Egal, ob viel oder wenig Strömung, ob Flachwasser oder ein brutaler Mix aus Windwelle und Seegang, ob Vollgas oder kaum Wind, ob unter Spinnaker oder bergauf – man kann in allen Lebenslagen ganz vorne mitmischen. „Gerade bei der Europameisterschaft waren die Verhältnisse extrem wechselhaft, jeder Tag hat eine Umstellung erfordert, und jeder Tag war ein guter Tag. Wir haben ein Set up, das funktioniert, jetzt müssen wir es perfektionieren.“ Matthias Schmid, der der lenkt, ist ein Grübler im positiven Sinn, ein Hinterfragender, einer der es einfach wissen will. Perfektionieren heißt hart arbeiten, nicht locker lassen und noch härter arbeiten. Das kann und tut er, und das kann und tut auch der andere. Florian Reichstädter, der Beißer und „gemma, geht schon“-Typ. Beide haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Matthias als Vater eines mittlerweile fast einjährigen Sohnes und Florian als Athletensprecher des erfolgreichen Segel-Nationalkaders.

Was im August 2016 in der Guanabara-Bucht unter dem Zuckerhut vor Rio de Janeiro passiert, steht in den Sternen, was bis dahin geschieht, steht fest.

 

Gruppenbild mit den  TeilnehmerInnen

Gruppenbild mit den TeilnehmerInnen

Zuerst die Theorie ...

Zuerst die Theorie …

... mit Demonstration im Trockendock.

… mit Demonstration im Trockendock.

Und dann geht's auf den See.

Und dann geht’s auf den See.

Die schwache Brise reicht fürs Lago.

Die schwache Brise reicht fürs Lago.

Motorboot-Begleitung zur Sicherheit.

Motorboot-Begleitung zur Sicherheit.

 

 

 

 

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.