Recruiting: Ein Befriedigend für die Schulnoten

Wie beurteilen Recruiter Noten aus Schule oder Uni? © Pixabay


6. Juli 2018 / geposted in Karriere / 0 Kommentare / von Michael Bilina
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Es war wieder soweit. Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich freuten sich dieser Tage auf das Jahreszeugnis, hatten ein flaues Gefühl in Erwartung des letzten Schultags oder es war ihnen egal, weil „eh schon alles vorbei ist und eh vieles viel wichtiger ist“. Die beteiligten Eltern fühlten mit – oder ganz anders. Endlos sind ebenso die jährlich wiederkehrenden Streitereien in allen Medien über die Treffsicherheit von Noten von 1 bis 5, neu sind Diskussionen, ob für einige Professoren „Befriedigend“ das neue „Nicht Genügend“ ist. Amüsant sind die immer wieder angeführten Darstellungen von berühmten Schulabbrechern.

Wie beurteile ich heute in der Rolle als Recruiter Noten aus Schule oder Uni? Räche ich mich, weil mich nie jemand nach meinen Noten gefragt hat? Dabei war der 3er in Deutsch so ein hartes Stück Arbeit.

Noten, Noten, Noten

Zeige ich genug Respekt gegenüber der Benotung von ausgezeichneten Lernerfolgen oder reicht es mir, wenn Kandidatinnen und Kandidaten einfach durchgekommen sind?

In unserem Recruiting haben wir intensiv über die Bedeutung von Noten diskutiert. Auch unter Berücksichtigung, dass unsere Kollegen aus Deutschland einen ganz anderen Zugang zu Noten (Stichwort Numerus Clausus) haben. Eine schlechte Note zeigt für uns, dass die Schülerin oder der Schüler

  • im entsprechenden Zeitrahmen
  • in der vorliegenden Umgebung
  • bei der entsprechenden Lehrkraft
  • zum entsprechenden Themenbereich
  • keine zufriedenstellend Leistung erbracht hat.

Genau diese Bewertung der Leistung kann man mit umgekehrten Vorzeichen auch bei einer guten Note geben.

Schulnoten im Bewerbungsprozess

  1. Wir fragen bei einer Bewerbung nach Zeugnissen nur als Dokumentation des Abschlusses einer Schul- oder Hochschulausbildung. Wir fragen aber nicht nach Noten. Und: Bei Schülerinnen und Schülern gibt es häufig noch nichts anderes als Schulzeugnisse. Umso spannender ist, was wir sonst von der Person erzählt bekommen. Nur wenn ein/e Bewerber/in selbst betont, dass Mathematik (oder ein anderes Fach) so toll und besonders interessant ist – und dann steht im Zeugnis ein Genügend. Das passt dann nicht zusammen.
  2. Bei mathematischen Funktionen schauen Linienverantwortliche bei Studierenden immer auf das Fach „Analysis„, weil es dort offenbar besonders schwierig ist, eine gute Note zu bekommen.
  3. Wir führen kein Ranking unterschiedlicher Bildungsinstitute. Es wäre nicht aussagekräftig, wenn wir ein Sehr Gut an einer Uni z.B. mit einem Sehr Gut an einer FH vergleichen würden. So wollen wir auch zeigen, dass wir den Bologna-Prozess verstanden haben.
  4. Wir hören gerne zu, wenn uns im Bewerbungsgespräch über besondere Erlebnisse aus dem Alltag in- und außerhalb der Bildungseinrichtung erzählt wird, in denen man sich etwas besonderes getraut hat.
  5. Wir respektieren Talente und zeigen ehrliche Anerkennung gegenüber High Potentials, die sich beim Lernen förmlich spielen und bemerkenswerte Noten vorzeigen.
  6. Wir fragen bei allen Bewerbungen nach, wie sich Berufseinsteiger das Arbeitsleben vorstellen. Denn wir wissen genau, wie groß der Unterschied zwischen Schule, Fachhochschule und Uni und dem Arbeitsleben ist. Unser Fokus liegt in der Zukunft.

Tipps vom Recruiter

Welchen Rat kann ich geben? Für alle Vorzügler: Beweisen Sie uns, dass Sie auch im Beruf Ihren Ehrgeiz zeigen wollen, um Spitzenleistungen zu bringen. Für alle im Chill-Modus mit Boost-Potenzial: Schule oder Studium waren nicht Ihr „Place to perform“. Jetzt können Sie aufzeigen, dass Sie durchstarten.

Nie mehr Schule?

Im Berufsleben gibt es viele Gelegenheiten, die entfernt an Prüfungssituationen an Schule oder Uni erinnern. Sie brauchen fast täglich abrufbares Fachwissen der Top-Liga, müssen zuhören können und auf den Punkt genau Ihr Erarbeitetes präsentieren.

Der Falke hat gesungen „Nie mehr Schule“. Ganz hat er damit wohl nicht recht gehabt.

 

 

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