100 Jahre Panamakanal

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12. August 2014 / geposted in Allianz Welt / 0 Kommentare / von Josef Glatzl
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Eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt ist 100 Jahre alt: Der Panamakanal wurde am 15. August 1914 offiziell eröffnet. Derzeit wird er ausgebaut, und bald werden doppelt so große Schiffe das Nadelöhr passieren können. Eine gewaltige Herausforderung – auch für Versicherungen, meint Captain Rahul Khanna von der Allianz.

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Captain Rahul Khanna, AGCS, © Allianz

Vor einigen Jahren fuhr Khanna noch selbst als Kapitän von Tankern und Frachtschiffen zur See. 2011 kam er zur Allianz und war als Senior Risk Consultant bei der Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS) in London unter anderem für Schadenverhütungsprogramme großer internationaler Kunden verantwortlich. Seit 1. Juli 2014 leitet Captain Khanna das Maritime Risk Consulting der AGCS. Er führt ein 20-köpfiges Team, das aus Kapitänen, Schifffahrts- und Seeverkehrsingenieuren in Europa, Nordamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum besteht.

Der Schifffahrtsexperte präsentierte nun eine aktuelle Studie, „Panama Canal 100: Shipping Safety and Future Risks“. Sie zeigt, wie sich der Wert der versicherten Güter, die den Kanal täglich passieren, erhöht. Gerade in der ersten Phase nach dem Ausbau werden die Risiken steigen, befürchtet der Kapitän.

Allianz Studie, Panamakanal

100 Jahre Panamakanal, © Allianz, Quelle: Allianz Corporate Speciality

Versicherungswerte steigen deutlich an

Aktuell werden zwei gewaltige neue Schleusen errichtet, und durch eine dritte Fahrrinne werden noch größere Transite ermöglicht. Damit könnte der Versicherungswert der transportierten Frachtgüter auf mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Tag ansteigen. Dazu Captain Khanna: „In der Branche haben wir ein Sprichwort: Wenn Sie glauben, Sicherheit sei teuer, dann warten Sie mal einen Unfall ab.“

Jedes Jahr passieren mehr als 12.000 Hochseeschiffe den Kanal. Mit der für 2015 geplanten Inbetriebnahme der neuen Schleusen wird diese Zahl nochmals deutlich ansteigen. Durch den Ausbau sollen jeden Tag zwölf bis 14 größere Schiffe den Kanal durchqueren können (rund 4.750 zusätzliche Schiffe pro Jahr), darunter viele Containerschiffe der neuen Panamax-Maße mit 12.600 TEU. Diese Schiffe sind noch mal deutlich größer als die größten Schiffe, die den Kanal derzeit durchfahren können (4.400 TEU).

Allianz Studie, Panamakanal

Die Ladung eines voll beladenen Containerschiffs der neuen Panamax-Maße kann einen Versicherungswert von bis zu 250 Millionen US-Dollar haben; © Shutterstock

Größere Schiffe – größeres Risiko

„Größere Schiffe stellen automatisch ein höheres Risiko dar. Allein die hohe Frachtmenge kann bei einem schweren Unfall zu erheblichen Verlusten und Unterbrechungen führen. Beispielsweise kann die Ladung eines voll beladenen Containerschiffs der neuen Panamax-Maße mit 12.600 TEU (das ist eine Länge von vier Fußballfeldern und eine Breite von 49 Metern) einen Versicherungswert von bis zu 250 Millionen US-Dollar haben“, betont der Kapitän. Bei voller Plankapazität könnten zusätzlich 1,25 Milliarden US-Dollar versicherte Güter den Kanal passieren – und das an einem einzigen Tag!

Auf einer viel befahrenen Wasserstraße wie dem Panamakanal können Unfälle mit Schiffen dieser Größenordnung enorme Herausforderungen darstellen oder sogar zu Blockaden führen. Im Ernstfall kann es an ausreichend qualifizierten Experten fehlen, die in der Lage sind, die neuen Panamax-Schiffe zu bergen.

Allianz Studie, Panamakanal

 

Sicherheit der Schiffe im Panamakanal

Die Sicherheitsbilanz des Panamakanals hat sich in den vergangenen Jahren laufend verbessert. In den letzten 20 Jahren ereigneten sich im Panamakanal 180 Schiffsunfälle, also neun pro Jahr. In den letzten zehn Jahren waren es nur mehr 27 Unfälle. Im Jahr 2013 kam es zu drei Unfällen, Totalschaden gab es keinen.

Die häufigsten Unfallursachen sind das Streifen der Kanalwände und die Kollision mit anderen Schiffen. Beide zusammen machen knapp 60 Prozent der Unfälle aus. An dritter Stelle stehen mit 20 Prozent Maschinenschäden.

Vergleich mit anderen Seestraßen

Die Allianz verglich die Sicherheit des Panamakanals mit jener des Suez- und des Nord-Ostsee-Kanals bei Kiel. In den letzten 20 Jahren wurden an diesen drei Orten insgesamt 957 Unfälle registriert, davon mehr als die Hälfte (505) am Suez-Kanal, 272 am Kiel-Kanal, der am stärksten befahrenen Wasserstraße der Welt, und 180 am Panama-Kanal. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Panamakanal ein Transportunglück ereignet, liegt bei 1 zu 4.000, im Suez-Kanal dagegen bei 1 zu 1.100 und im Nord-Ostsee-Kanal gar bei 1 zu 830 Schiffen.

Allianz Studie, Panamakanal

Die Passage zwischen Atlantik und Pazifik durch Panama ist also relativ sicher. „Und das soll auch so bleiben“, meint Captain Khanna und fordert Schulungen für die Risikominimierung. Denn obwohl viel moderne Technologie eingesetzt wird, bleibt das Risiko durch den Faktor Mensch. Derzeit absolvieren die insgesamt 280 Lotsen eine umfassende Ausbildung, unter anderem im Hafen von Amsterdam, der ähnliche Rahmenbedingungen bietet, wie sie 2015 im Panamakanal vorzufinden sind. Captain Khanna: „ Es wird zwar umfangreiche Trainings geben, zwangsläufig aber nur auf wenigen Schiffen. Mit der tatsächlichen Inbetriebnahme im Jahr 2015 wird jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffe den erweiterten Kanal passieren. Das wird eine Herausforderung.“

 

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