Hinter den Kulissen…

Versicherungsbetrug

© Allianz


17. März 2015 / geposted in / 0 Kommentare / von Markus Hinterberger

Hinter den Kulissen in der Schadenermittlung

Im dritten Teil der Serie zum Thema Versicherungsbetrug habe ich einen Blick hinter die Kulissen geworfen. Was passiert eigentlich in der Schadenermittlung der Allianz, wenn der Verdacht aufkommt, hier könnte es sich um Betrug handeln? Um das herauszufinden, habe ich den Kolleginnen und Kollegen über die Schulter geschaut.

Eines gleich vorweg: Betrugsfälle stehen in der Versicherungsbranche glücklicherweise nicht an der Tagesordnung. Trotzdem ist für viele Menschen ein kleiner Versicherungsbetrug auch heute noch eher unter die Rubrik Kavaliersdelikt einzuordnen. Getreu dem Motto: „Das macht doch jeder.“ Auf die leichte Schulter sollte man es aber nicht nehmen, wie mir Bernhard Noveska verrät. Er leitet seit einigen Jahren die Schadenermittlung im Allianz Kundenservice und ist damit die erste Ansprechperson, wenn es sich um zweifelhafte Schadensfälle handelt.

Versicherungsbetrug: Wie geht eine Versicherung eigentlich damit um?

„Den typischen Tag gibt es bei uns nicht“, meint Bernhard Noveska gleich zu Beginn. Viele der rund 4.000 Verdachtsfälle, vor allem aus dem Kfz-Bereich, die er und sein Team pro Jahr auf den Tisch bekommen, können nur direkt vor Ort bearbeitet werden. Intensive Recherche- und mitunter monatelange Ermittlungsarbeiten lassen sich nun mal nicht nur vom Büro aus absolvieren. Auf die typische – aus dem Fernsehen bekannte – Tätersuche bei Nacht und Nebel wird trotzdem verzichtet. Aus gutem Grund: „Zu gefährlich! Die Täter werden heutzutage immer skrupelloser “, so der langjährige Schadenexperte.

Ab wann schreitet die Schadenermittlung ein?

Es gibt unterschiedliche Wege, wie ein Verdachtsfall zur Schadenermittlung gelangt. Allianz intern wurde bereits vor längerer Zeit ein Regelkatalog entwickelt, der eine automatische Früherkennung eventueller Betrugsfälle ermöglicht. Besonders wichtig sind in dieser Hinsicht aber auch die aufmerksamen Kolleginnen und Kollegen aus den Fachabteilungen, denen bei der Bearbeitung das eine oder andere Detail schon mal „spanisch“ vorkommt. Hier kommt es vor allem auf Erfahrung und den persönlichen Instinkt an, um zwischen tatsächlichen Schäden und den immer gewiefter formulierten Schadenmeldungen zu differenzieren.

 

Versicherungsbetrug Experten, Versicherungsdetektive

Erfahrung und Kommunikation: zwei Erfolgsfaktoren, um Versicherungsbetrug erfolgreich zu klären. © Allianz

Weniger als 1 Prozent ist verdächtig

Glücklicherweise ist es nach wie vor aber so, dass nur ein kleiner Bruchteil der Schadensfälle zumindest verdächtig ist. Denn in der Allianz landet nicht einmal ein Prozent aller gemeldeten Schäden im Ermittlungsbüro. Die Zahl der tatsächlichen Betrugsfälle ist dann noch einmal kleiner. In ein paar hundert Fällen pro Jahr gelingt es dem Team tatsächlich, einen Betrug nachzuweisen und damit die Versichertengemeinschaft vor Schäden zu bewahren. Sehr oft in der Kfz-Sparte, hier vor allem im Bereich von Diebstählen oder „geplanten“ Kollisionen. „Dabei ist für uns die Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Behörden, Zeugen aber auch Sachverständigenbüros ganz entscheidend“, so Bernhard Noveska. Speziell in größeren Fällen: „Es kommt vor, dass mögliche Täter den Behörden bereits einschlägig bekannt sind. Das kann für unsere eigene Ermittlungsarbeit wesentlich sein“, so der Allianz Chefermittler.

Besonders knifflig: Rückholung gestohlener Fahrzeuge

Gelingt es, einen Autodiebstahl nachzuweisen und das gestohlene Fahrzeug zu finden, steht mit der Rückholung des Diebesguts die nächste schwierige Aufgabe bevor: Denn besonders knifflig wird es dann, wenn das Auto im Ausland gefunden wurde: In so einem Fall ist man ganz besonders auf die Kooperation und Hilfsbereitschaft ausländischer Behörden und Partnerbetrieben vor Ort angewiesen. Nahezu unmöglich wird es allerdings, wenn das Auto bereits in seine Einzelteile zerlegt wurde und daher in seiner ursprünglichen Form gar nicht mehr besteht.

Versicherungsbetrug, Diebstahl, Versicherungsdetektive

Häufig stecken organisierte Banden aus dem Ausland hinter den Diebstählen. Die Chance, das Auto wieder zu finden, ist gering – manchmal gelingt es aber doch. © Allianz

Volkswagen, BMW und Audi heiß begehrt

Besonders im Kfz-Bereich gibt es für das Team das ganze Jahr über einiges zu tun. Das Thema Kfz-Diebstähle ist zum Beispiel ein ständiger Begleiter im Alltag: „Besonders beliebt sind dabei die Marken Volkswagen, BMW und Audi. Mitunter kommt es sogar vor, dass ausländische Banden den Auftrag geben, gezielt eine bestimmte Marke zu stehlen und über die österreichischen Grenzen zu bringen.“ Vor zwei Jahren sorgte das Ermittlungsteam der Allianz dafür, dass eine organisierte Bande aus Tschechien aufflog: „Nachdem uns dieser Coup gelungen ist, ging auch die Zahl der gestohlenen BMW in Wien deutlich zurück“, erzählt Bernhard Noveska mit Stolz.

Kuriositäten öfter, als man glaubt

Auch wenn zum Glück der Prozentsatz tatsächlicher Betrugsfälle gemessen an der gesamten Schadenanzahl klein ist, vor skurrilen Fällen ist man trotzdem nicht gefeit. Dabei sind der Phantasie der Täter keine Grenzen gesetzt: Besonders beliebt sind dabei die vorgetäuschten Verkehrsunfälle zwischen zwei Autos – die sogenannten „Autobumser“.

Versicherungsbetrug - Schadenermittler - Versicherungsdetektiv

Kuriose Fälle von Versicherungsbetrug gibt es immer wieder. Auch organisierte „Autobumser“ gehören dazu, wie Bernhard Noveska zeigt. © Allianz

Schäden kurz nach Vertragsabschluss, langjährige körperliche Beschwerden, die durch fingierte Unfälle entstanden sein sollen, oder Handys, die nachdem das Nachfolgemodell kurz zuvor vorgestellt wurde, plötzlich beschädigt sind. Das ist aber nur ein Auszug einer langen Kuriositäten-Liste, die übrigens nicht nur die Ermittler der Allianz sondern die gesamte Versicherungsbranche betreffen. Dazu zeigt auch der Fernsehsender Puls4  in einem Video, wie der Arbeitsalltag von Schadenermittlern und Sachverständigen aussieht.

„Schadenermittler und Troubleshooter zugleich“, so bezeichnet Bernhard Noveska sich und das Team, kurz bevor sein Handy wieder läutet…

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