„Wien ist anders“ – auch im SOS-Kinderdorf

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11. November 2014 / geposted in / 0 Kommentare / von Markus Hinterberger

„Wien ist anders“. Mit diesem Slogan, der seit vielen Jahren die Einzigartigkeit der Bundeshauptstadt beschreiben soll, lässt sich auch die Situation im SOS-Kinderdorf Wien charakterisieren. Davon konnten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Allianz überzeugen, die Anfang November im Rahmen der Allianz Lichtblicke das SOS-Kinderdorf in Wien-Florisdorf besuchten. Vor Ort informierten sich die interessierten Kolleginnen und Kollegen über die Abläufe im SOS-Kinderdorf und bekamen Einblicke, wie man die Kinder und Jugendlichen tatkräftig unterstützen kann. Auch wenn die Vorstellung eines typischen Kinderdorfes mit privaten Wohnhäusern für die Familien, mit Spielplätzen und Grünflächen, die von den Kindern und Jugendlichen belagert werden, hier im 21. Wiener Gemeindebezirk sehr rasch verflogen ist. Wien ist eben auch in dieser Hinsicht anders.

Zu Gast im SOS-Kinderdorf Wien. Erwin Roßmann erzählt, dass derzeit 100 Kinder und Jugendliche in verschiedensten Einrichtungen betreut werden. © Allianz

Seit 2006 auch in Wien

„Stadt in Sicht“ – unter diesem Motto entstand 55 Jahre nach Gründung von SOS-Kinderdorf in Tirol das erste urbane SOS-Kinderdorf Österreichs in Wien. Mittlerweile leben über 100 Kinder und Jugendliche an sechs unterschiedlichen Standorten in der Bundeshauptstadt, ab Februar 2015 erfolgt die Betreuung an insgesamt acht Standorten. Das klassische „Dorf“ sucht man hier aber vergebens: „Es war von Anfang an so geplant, dass wir in Wien von unserem traditionellen Dorfkonzept Abstand nehmen. Die Voraussetzungen und örtlichen Gegebenheiten sind hier einfach anders“, erzählt Erwin Roßmann, Standortleiter von SOS-Kinderdorf Wien. „Der zentrale Standort sollte eine Kombination aus Großstadtflair mit guter Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und einem hohen Anteil an Grünflächen in unmittelbarer Nähe bieten, damit die Kinder und Jugendlichen in ihrem gewohnten städtischen Lebensraum bleiben können. Eine Location im 21. oder 22. Bezirk war daher logisch.“

Den typischen Dorfcharakter der SOS-Kinderdörfer sucht man in Wien vergebens. Das ist bewusst so! © Allianz

Hier vermutet wohl niemand ein SOS-Kinderdorf. Oder? Damit zeigt sich einer der vielen Unterschiede sehr rasch: In der Bundeshauptstadt gibt es kein „echtes Dorf“, hier sind die SOS-Kinderdorf-Familien in typische Wohnhausanlagen integriert – die Kinder leben daher Tür an Tür mit vielen Wiener Familien. In der Anlage im 21. Bezirk leben insgesamt 35 Kinder in jeweils drei Familien und Wohngruppen. Die Kinder besuchen öffentliche Kindergärten oder Schulen und teilen sich gemeinsam mit anderen Jugendlichen die Spielplätze. Warum das so ist, ist einfach erklärt: Integration ist gerade in Wien besonders wichtig. Trotzdem haben die Kinder dank der räumlichen Nähe der einzelnen Wohnungen die Möglichkeit, sich zu treffen und unter sich zu bleiben, wenn sie das wollen.

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Das FamilienRAThaus ist der gesellschaftliche Mittelpunkt im SOS-Kinderdorf Wien. Gleichzeitig beinhaltet es auch ein Ambulatorium, in dem jährlich bis zu 400 Familien, Kinder und Jugendliche Unterstützung erhalten. © Allianz

FamilienRAThaus statt Dorfzentrum

Um auch in Wien einen Dorfcharakter zu kreieren, hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen: Das FamilienRAThaus dient mit seinen zahlreichen Gemeinschaftsräumen als zentrale Anlaufstelle und ist sozusagen das Dorfzentrum. Mit dem Café Floritz gibt es ein auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmtes Familiencafé, das einen Spielbereich sowie Nachbarschafts- und Gemeinwesenarbeit bietet. Gleichzeitig beherbergt das FamilienRAThaus ein Ambulatorium für Kinder- und Jugendpsychiatrie, in dem jährlich bis zu 400 Familien, Kinder und Jugendliche Unterstützung in vielerlei Hinsicht erhalten. Außerdem kümmert man sich hier auch um eine gezielte Gestaltung von Familienstärkungsprogrammen.

Kinderdorf-Mutter ist ein Vollzeitjob

Eines wollte Erwin Roßmann ganz besonders hervorgehoben wissen: „Mutter oder Vater im SOS-Kinderdorf zu sein, ist ein Vollzeit- und kein Nebenjob. Das Aufrechterhalten eines geregelten Familienlebens ist besonders mit Kindern unterschiedlicher Herkunft und den verschiedensten Lebensgeschichten eine große Aufgabe.“ Dass dabei nicht immer alles reibungslos abläuft und kleinere Reibereien, wie sie in den meisten Familien vorkommen können, einfach dazugehören, erfuhren wir von Erwin Roßmann aus erster Hand. Hintergründe und Geschichten, wie man sie aus dem eigenen Leben kennt, gibt es natürlich auch hier. Und eines hat der Besuch deutlich gezeigt: Es gibt zu wenige Menschen, die sich mit Herz und Leidenschaft um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern.

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