Sommerreifen im Schnee – bin ich versichert?

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20. April 2017 / geposted in / 4 Kommentare / von Gast Redakteur

In Österreich herrscht von 1. November bis 15. April die sogenannte „situative Winterreifenpflicht“. Das heißt, dass Sie Ihr Auto bei winterlichen Fahrverhältnissen wie Schneefahrbahn, Glatteis, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte mit den passenden Winterreifen ausstatten müssen. Was aber, wenn nach dem Ende der Pflicht erneut ein Wintereinbruch Schnee und Glätte bringt?  Viele Autofahrer haben den Wechsel auf die Sommerreifen bereits durchgeführt und stehen jetzt vor der Frage: Was bedeutet das für die Versicherung?

Versicherungsschutz trotz Sommerreifen?

Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt in jedem Fall den Schaden des Unfallopfers, auch dann, wenn nicht jahreszeitgemäße Reifen aufgezogen waren. Falls jedoch festgestellt wird, dass die falschen Reifen ausschlaggebend für den Unfall waren, kann die Haftpflichtversicherung unter Umständen einen Teil der Leistungen zurückverlangen.

Anders ist die Situation bei der Kaskoversicherung. Bei grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung aussteigen. Das Auto muss dem Wetter entsprechend ausgerüstet sein, z.B. mit Schneeketten. Man handelt unter anderem grob fahrlässig, wenn man trotz winterlicher Verhältnisse mit Schneefahrbahn, Schneematsch oder Glatteis mit Sommerreifen fährt und diese (mit)ursächlich für den Unfall waren. Ereignete sich ein Unfall bei winterlichen Bedingungen nach Ende der Winterreifenpflicht, kann immer noch grob fahrlässiges Verhalten vorliegen. Wenn man also bei widrigen Straßenverhältnissen zu schnell fährt und dabei einen Unfall verursacht, handelt man mitunter grob fahrlässig.

Abgefahrene Winterreifen als Sommerreifen

Um Kosten zu sparen, setzen viele Autofahrer ihre abgefahrenen Winterreifen als Sommerreifen ein. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten, denn der Bremsweg mit abgefahrenen Winterreifen ist wesentlich länger. Ursache dafür ist die weichere Gummimischung von Winterpneus, die durch heißen Asphalt und hohes Tempo noch weicher wird. Auch die Bodenhaftung bei nasser Straße ist bei weitem nicht so gut wie bei Sommerreifen. In Italien muss man zum Beispiel mit einer Geldstrafe von 1.700 Euro rechnen, wenn man im Sommer noch mit Winterreifen unterwegs ist (Quelle: derstandard.at).

 


Reifenwechsel: Ungesicherte Autoreifen als fliegende Geschosse

Steht der Reifenwechsel noch an, gibt es einiges zu beachten. Transportieren Sie Ihre Reifen selbst zur Werkstatt, sollten diese immer gut gesichert sein, denn unsachgemäß transportierte Reifen können schnell zu Geschossen werden – selbst bei geringer Geschwindigkeit. Ein Crash-Test des Allianz Zentrum für Technik (AZT) zeigt: Wird ein 15 bis 20 Kilogramm schwerer Reifen durch die Wucht eines Aufpralls nach vorne geschleudert, wirkt das 37-Fache Gewicht auf die Fahrzeuginsassen ein. Das entspricht etwa dem Gewicht einer ausgewachsenen Kuh.

Richtiger Transport

Daher sollten Sie die Reifen am besten im Kofferraum transportieren und zusätzlich mit einem Zurrgurt sichern. Besonders bei kleineren Wagen, die über keine fixe Trennung zwischen Koffer- und Fahrgastraum verfügen, sollten Sie die Rückbank mithilfe der Sicherheitsgurte, kreuzweise übereinander gesteckt, stabilisieren. Passen nicht alle vier Reifen in den Kofferraum, ist der Transport eines Reifens in der Mulde zwischen Rückbank und Beifahrersitz erlaubt. In diesem Fall darf jedoch kein Beifahrer im Auto sitzen. Verstöße gegen die Ladungssicherungspflicht können auch Strafen und Vormerkungen nach sich ziehen. Am sichersten ist es daher, wenn möglich, die Autoreifen bis zum nächsten Wechsel beim Händler oder der Kfz-Werkstätte zu lagern, so müssen sie nicht transportiert werden.

 

Autorin: Sarah Matiasek

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