Sandburgen, Bevölkerungspyramiden und Luftschlösser

© Günter Kornfeld


14. August 2014 / geposted in / 4 Kommentare / von Günter Kornfeld

Gedanken unterm Sonnenschirm über braune Haut, graue Haare und fehlendes Kindergeschrei.

In Reih‘ und Glied stehen sie da: die in Orangetönen gehaltenen Sonnenschirme, unter diesen jeweils zwei farblich darauf abgestimmte Liegen. Auf zweien davon meine Frau und ich, dazwischen mit einem Eis bzw. mehr oder weniger im Sand vergraben, unsere Kids. An einem Julitag in der Hochsaison ein weit verbreitetes Bild an der oberen Adria. So meine Annahme – und ein Irrtum.

Denn obwohl in Österreich Schulferien sind und auch in Deutschland, helfen dennoch Grundkenntnisse in Russisch oder Tschechisch eher bei der Konversation mit den Strandnachbarn, und den Altersdurchschnitt der Sonnenanbeter können unsere beiden Kinder auch nur unmerklich senken. Dieser liegt nämlich eindeutig im zweistelligen Bereich bei 60plus.

Pensionslücke – bitte wo?

Vom Aktiveinkommen konnten wir uns das Zimmer mit Meerblick noch einmal für zwei Wochen vom Mund absparen. Aber Apartment – nix Hotel. Ein Hotelzimmer an der Waterfront ist mit Kindern unerschwinglich. Wer also den lustigen Rentnern dabei zuschaut, wie sie bei Tagesanbruch über die Strandpromenade joggen, in der Mittagshitze zu ebenfalls heißen Rhythmen im seichten Wasser Zumba tanzen und sich zu später Stunde noch ein Glaserl Wein schmecken lassen, der kann das ganze Gerede um die Pensionslücke wirklich nur schwer nachvollziehen.

Pensionszuschuss und Staatsschulden steigen

Das fällt leichter, wenn wir uns gedanklich wieder ein paar Breitengrade nördlicher begeben und dort in die kühle Welt der nüchternen Statistik eintauchen. Da können wir dann nämlich feststellen, dass der Zuschuss zum staatlichen Pensionssystem für das Jahr 2013 auf 8,7 Milliarden Euro angeschwollen ist und weiter steigt. Um diese Zahl etwas anschaulicher zu machen: Das ist um 55 Prozent mehr als noch zehn Jahre davor und entspricht gut einem Drittel der Einnahmen des Fiskus aus der Umsatzsteuer dieses Jahres.

Nun ist es aber so, dass dies neben der Lohnsteuer der größte Posten auf der Einnahmenseite unseres Staatshaushalts ist, alle anderen Steuereinnahmen budgetär nur Nebengeräusche darstellen und die Staatsschulden  munter weiter wachsen. Wenn ich mir dann noch ins Gedächtnis rufe, dass sich bis 2050 die Anzahl der Über-100-Jährigen verzehnfachen wird, komme ich mir gerade jetzt mit meinen noch nicht ganz 50 Jahren deutlich zu jung vor. Mich beschleichen heftige Zweifel, ob ich es mir dereinst werde leisten können, auch locker entspannt und braungebrannt den adriatischen Sommer zu genießen.

Bevölkerungspyramide übt Kopfstand

Selbst ohne Taschenrechner und Doktortitel in Statistik sagt mir mein Hausverstand, dass dies recht eng wird. Denn die Bevölkerungspyramide bekam ihren schönen Namen zu einer Zeit, als viele Junge eine breite Basis und wenige Alte eine Spitze bildeten. Über Hüfte und Bauch rutscht dieser breite Teil nun aber mehr und mehr in Richtung Schulter – und macht die „Pyramide“ ziemlich kippelig. Auch finanziell, wenn dies als Basis und Fundament eines Generationenvertrags gelten soll.

Grundversorgung und Eigenvorsorge

Das bewährte Umlagesystem bietet somit zwar eine Grundversorgung, aber steigende Lebenserwartung und Staatsverschuldung werden absehbar zu weiteren Leistungskürzungen in der ersten Säule – also der staatlichen Pension – führen. Daneben braucht es jedoch eine flexible und jederzeit liquidierbare Zusatzvorsorge für Berufsunfähigkeit, Hinterbliebene, Alter und Pflege. Da ist jeder für sich und die Seinen selbst verantwortlich.

Im internationalen Vergleich hinken wir Österreicher bei den Ausgaben für die Lebensversicherung aber immer noch deutlich hinterher. Hierzulande geben die Menschen insgesamt 2,3 Prozent des BIP für Lebensversicherungen aus. In absoluten Zahlen sind das durchschnittlich 831 Euro pro Jahr – der Europa-Durchschnitt liegt bei 1.470 Euro. Nun ist es jedoch so, dass einzig und alleine Versicherer das biometrische Risiko absichern und dadurch den Kunden eine lebenslange Rente auszahlen können, auch wenn sie 100 Jahre und älter werden. Das ist das Ergebnis scharfer Kalkulationen, und nicht nur eine Glaubensfrage, wie bei der staatlichen Pension.

Ebenfalls 100 werden zu wollen, ist ein gutes Ziel. So erfreue ich mich an meiner Lebensversicherung – und blicke den zweiten 50 Jahren meines Lebens beruhigt entgegen.

4 Kommentare
  • Seit 1989 sag ich es allen, die’s mir geglaubt haben genießen die Vorteile und die Zusatzpension….jetzt wird sehr eng für alle die drauf kommen!

  • Das stimmt, allerdings ist der Aufwand unvergleichlich höher, das könnte man leichter durch eine lange Laufzeit und angenehmer fürs Börserl haben……

  • Richtig, allerdings ist der Aufwand unvergleichlich höher, das könnte man leichter durch eine lange Laufzeit und angenehmer fürs Börserl haben……

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