Wie kann man Marderbisse verhindern?

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23. Mai 2017 / geposted in / 5 Kommentare / von Michael Bilina

Wie oft ist mir das schon passiert. Das Auto habe ich am Vortag frisch waschen lassen. Mit Extra-Shampoo und Extra-Wachs und Extra-Pflege. Billig war es nicht und dann am nächsten Tag so ein trauriger Anblick. Quer über das Auto, auch über die Windschutzscheibe, wie ein Geschwindigkeitsstreifen bei Ralley-Autos, waren überall Fußtapser eines kleinen Tierchens. War es Nachbars Katze? Ich vereinbarte kurzfristig mit meinem Hund in einem vertraulichen Gespräch eine neue Strategie gegen die miauenden Quälgeister.

Oder war es doch etwas anderes?

Ein Blick in das Internet und meine Fähigkeiten als Fährtensucher waren gefragt. Das Ergebnis war rasch klar. Es war ein Marder.

Footprints Animals - vector set.

Wer war’s? Fußabdrücke helfen bei der Identifikation des Täters.

Des Rätsels Lösung hat mich nicht wirklich begeistert, denn bei Revierkämpfen werden die kleinen Biester richtig übermütig. Nun dachte ich mir – so lange sie auf dem Auto bleiben und nicht in die Motorhaube kriechen, sind sie ärgerlich, aber fast egal. Etwas nachdenklich wurde ich allerdings, als ich beim Nachfüllen des Scheibenfrostschutzes ein abgekiefeltes Salzstangerl im Motorraum fand. Hat der Mechaniker beim letzten Service dies vergessen? Keine Ahnung – keine Erklärung.

Als meine jüngste Tochter mich kürzlich spät Nächtens anrief, war der Spaß aber vorbei, Das Cockpit leuchtete nach ihren Angaben wie ein Weihnachtsbaum. Irgendetwas passte nicht. Hier wäre jedenfalls eine passende Assistance für das Auto perfekt gewesen, das Lesen der Bedienungsanleitung hat ergeben: Fahrzeug stehenlassen und sofort zur nächsten Werkstätte abschleppen.

Die Klarheit am nächsten Tag: Schaden ist eindeutig durch Marderbiss entstanden. Gut dass ich beim Kauf des Autos mit der Kaskoversicherung „das passende Risikomanagement gewählt habe“ (Anmerkung: auch eine Teilkasko hilft da schon). Meine Empfehlung: mit der Werkstätte auf jeden Fall reden, ob auch im Zuge der Reparatur eine Motorwäsche gemacht wurde. Wenn es im Motorraum nach Marder riecht (??), soll er angeblich gerne wieder kommen.

Die Rechnung hat mehr als 200€ ausgemacht – trotz Versicherung kann ich auf das da capo eines Marderbisses verzichten. Die Erklärung der Experten, dass weder der Geschmack des Schlauchs noch der des Saftes für den Marder der Grund für seine Sachbeschädigung waren, hat mich auch nicht beruhigt.

Was aber nun tun gegen den Wiederholungstäter?

Ein Drittel aller Marderbisse passiert im Mai, hat eine Studie der Allianz ergeben (hier nachlesen). Die meisten Marderbisse tauchen übrigens im Osten Österreichs auf. Aber kann ich mich irgendwie davor schützen?

Ein Besuch beim Autofachmarkt und Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen im Büro, die alle ausgezeichnete Tipps beisteuern konnten, führen zu einer raschen Überforderung bei der Entscheidung. Vor allem, wenn man diese Tipps mit dem Bericht aus dem Internet vergleicht.

Hundehaarbüschel (obwohl ich die durch meinen Labrador leider genug und ständig griffbereit an meiner Kleidung hätte) bringen genau so wenig wie stinkende Sackerl, die für Menschen widerlich miefen – den Mardern soll es egal sein. Genau so egal wie die Ultraschall-Geräte, auf denen Marder im Testversuch sogar geschlafen haben sollen. Herrlich!

Gitter zum Auflegen auf die Straße – der Spezialtipp des Autofachmarktes – bringen dann angeblich nichts mehr, wenn sich der Marder an den ungewohnten Untergrund gewöhnt hat. Offener Geheimtipp (Oxymoron?) der Nachbarschaft in einem der Außenbezirke der Großstadt (vulgo Wiener Bronx) sind mit Wasser gefüllte Pet-Flaschen, die in der Nacht vor und hinter dem Auto aufgestellt werden. Das Straßenlicht und der Mondschein sollen Reflexionen erzeugen, die dem Marder nicht gefallen und Hunden beim Abendspaziergang ebenso wenig. Nebeneffekt: In unserer Straße schaut es mittlerweile durch die herumliegenden Plastikflaschen aus wie auf der Mülldeponie.

Das einzige, das helfen soll, sind, glaubt man dem Internet, die Geräte, die Stromstöße erzeugen – das finde ich jetzt aber auch grausig.

Durch Wikipedia habe ich gelernt, dass die kleinen Marder der Familie der Hunde zuzurechnen sind. Und so sehr ich ein Hundefreund bin, wenn sie mein Auto ruinieren, mag ich sie nicht.

Fazit: Wir haben jetzt ein stinkendes Sackerl in den Motorraum gehängt und hoffen, dass der Marder einen neuen Spielplatz gefunden hat.

 

Marderbiss

Der Marder war’s! © Fotolia

PS: Das Bild von dem zähnefletschenden Marder habe ich in Fotolia gefunden und so schlecht gefunden, dass ich es den werten Lesern des Blogs nicht vorenthalten wollte.

 

Dieser Beitrag ist im Original am 3. November 2015 erschienen und wurde geringfügig überarbeitet.

 

5 Kommentare
  • Die Schäden durch Marder werden immer krasser. Auch die aktuellen Zahlen zum Thema Marderschaden sind erschreckend. Wer also in einem nicht plötzlich von einem schleichenden Schaden betroffen seien möchte, der sollte besser Vorsorge betreiben. In erster Linie natürlich die Versicherung und in zweiter Hardware zum Marder vertreiben oder vergrämen.

    Gruß
    Benni

  • sehr schöner und vor allem nützlicher Artikel, Danke für die Infos.

  • Wow, dass es im Durchschnitt 12 gemeldete Marderbisse pro Tag gibt, ist ja schon gruselig. Ebenso, dass man fast nichts machen kann!

  • Wie es scheint, wäre ein besserer Schutz der Kabel das einzig sinnvollste. Zum Beispiel eine härtere, bissfeste Verkleidung. Wieso da die Autobauer noch nicht reagiert haben, ist mir ein Rätsel.

  • Es gibt spezielle Schutzhüllen für Kabel- und Schläuche, die man nachträglich verbauen kann. Der sicherste Weg ist jedoch die Variante mit Elektroschocks. Es sind leichte, aber wirkungsvolle Stromstöße. Dem Marder wird dabei kein Leid zugefügt. Andernfalls dürften diese Geräte im freien Handel nicht verkauft werden.
    VG

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