Die Gehaltsfrage – die Mutter aller Fragen

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20. Dezember 2016 / geposted in / 2 Kommentare / von Gast Redakteur

Das Bewerbungsgespräch ist soweit gut gelaufen. Sie haben Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten präsentieren und sich ein gutes Bild von der Stelle machen können. Sie konnten alles gut beantworten und dann kommt sie: die Frage nach dem Gehaltswunsch. Für viele Bewerberinnen und Bewerber der schwierigste Teil des Vorstellungsgespräches.

Wie hoch darf ich beim Einstiegsgehalt pokern? Verkaufe ich mich unter Wert? Wie geht man nun damit um? Es ist sicherlich kein einfaches Thema, aber es lohnt sich weiterzulesen – im wahrsten Sinne des Wortes. :-)

Persönlichen Wert festlegen

Die Frage nach der eigenen Gehaltserwartung sollten Sie sich bereits vor dem Vorstellungsgespräch, sogar vor der Bewerbung selbst, stellen. Abhängig von Ihrer beruflichen Erfahrung, Ihrer Ausbildung sowie Ihren Fähigkeiten können Sie für sich einen Betrag festlegen, den Sie für fair erachten. Das erleichtert dann auch die Gehaltsverhandlung.

In der Fachliteratur gibt es unterschiedlichste Zugänge zum Thema Gehalt. Der bekannte amerikanische Professor Frederick Herzberg hat die Zwei-Faktoren-Theorie geprägt. Ihm zufolge wird Gehalt als „Hygienefaktor“ angesehen, während beispielsweise Arbeitsinhalte oder Entwicklungsmöglichkeiten den „Motivatoren“ zugeordnet werden. Das Problem: Hygienefaktoren führen nicht zu Zufriedenheit, sondern nur dazu, dass man nicht unzufrieden ist. Nur Motivatoren führen zu echter Zufriedenheit. Kurz gesagt: Geld ist nicht alles. Im Vordergrund sollten immer die Tätigkeiten und die Entwicklungsmöglichkeiten stehen und nicht etwa das Gehalt.

Um nun Ihren „persönlichen Wert“ festlegen zu können, müssen Sie einmal ganz selbstreflektiert Ihren eigenen Lebenslauf betrachten. Durch Ihre individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten heben Sie sich von Ihren Mitbewerbern ab:

  • Welche Ausbildung habe ich abgeschlossen?
  • Was waren meine Aufgabengebiete in früheren Anstellungen?
  • Kann ich direkt durchstarten oder benötige ich noch Zeit, um mich einzulernen?
  • Bringe ich Kenntnisse mit, die am Arbeitsmarkt besonders gefragt sind?
  • Habe ich bereits Erfahrung in der Führung von Teams?

Dann sollten Sie einmal zu einem ersten Wert für sich kommen.

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Gute Vorbereitung ist schon die halbe Gehaltsverhandlung. © Fotolia, JiSign

Wo gibt es Orientierungshilfen?

Immer noch keine Vorstellung vom eigenen Wert? Einschlägige Blogs, etwa karriere.at oder derstandard.at, liefern nützliche Tipps zur Gehaltsverhandlung. Zusätzlich können Sie auch den Gehaltskompass vom AMS als Ratgeber verwenden. Dort, aber auch in den Blogs, finden Sie die Einstiegsgehälter von unterschiedlichsten Berufsgruppen und Branchen. Natürlich können Sie sich auch an Ihrem bisherigen Gehalt orientieren. Jedoch dürfen Sie nicht erwarten, dass Sie in jedem Fall weiterhin das gleiche oder sogar noch mehr verdienen als bisher.

Als Orientierungshilfe dienen Ihnen auch die Gehaltsangaben in Stelleninseraten. Die müssen übrigens seit 2011 verpflichtend angeführt werden. Unternehmen gehen dabei ganz eigene Wege. Während manche Gesellschaften nur das Mindestgehalt laut dem jeweiligen Kollektivvertrag anführen, geben andere realistischere Mindestgehälter bzw. Gehaltsspannen an. Eine Allgemeinaussage, wie viel mehr man verlangen kann, lässt sich nicht treffen. Eine niedrige Gehaltsangabe in der Stellenausschreibung sollte Sie aber nicht von einer Bewerbung abhalten. Denn in den meisten Fällen ist dies nur ein Richtwert. Da ist nichts in Stein gemeißelt und üblicherweise ist schon ein gewisser Handlungsspielraum vorhanden.

Benefits – die „kleinen“ Goodies

Sie dürfen auch nicht die Umfeldfaktoren, beispielsweise Benefits für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, außer Acht lassen, die viele Unternehmen bieten. Im Falle der Allianz Österreich sind das etwa ein umfassendes Betriebliches Gesundheitsmanagement, Sportvereine oder ein Betriebskindergarten. Nicht zu vergessen, der Essenszuschuss. Dieser trägt das Seinige dazu bei, dass das Mittagsmenü noch besser schmeckt. Auch wenn derartige Dinge nicht auf dem Gehaltszettel stehen, haben sie dennoch einen großen Wert – das spiegelt sich auch im Geldbörserl wider.

In welchem Bereich bewegen wir uns gehaltlich?

Jeder Job und jeder Arbeitgeber ist anders. Geben Sie daher aus diesem Grund eine Gehaltsspanne an. Es spricht auch nichts dagegen, dass Sie die Gehaltsfrage beantworten und eine Gegenfrage stellen, etwa nach weiteren Vergünstigungen oder den Arbeitszeiten. Denn vergessen Sie nicht: Nicht nur Sie bewerben sich, auch der Arbeitgeber bewirbt sich – und zwar bei Ihnen!

Also, was ist Ihr persönlicher Wert?

 

Autor: Peter Zajic, Recruiting und Employer Branding

2 Kommentare
  • Verkaufe dich nie unter deinem Wert!

    Mit Matura 1.500 netto +
    Bachelorabschluss mind. 2.000 netto +
    Bachelorabschluss mit Berufserfahrung mind. 2.500 netto +

    Fehlende Kenntnisse lassen sich häufig schnell erlernen!

  • Lieber Stefan,

    fehlende Kenntnisse nachzuholen ist wichtig, aber das wird nicht immer schnell gelingen. Lebenslanges Lernen ist vor allem im Bezug auf das Erbringen von herausragenden Leistungen bei jedem Kundenkontakt erforderlich. Die von dir angeführten Beträge für einzelne Zielgruppen sind jedenfalls im Individualfall zu hinterfragen, weil bei Nettoangaben nicht herausgelesen werden kann, ob diese 12, 14 oder sogar 15 mal (abhängig vom Kollektivvertrag) zur Auszahlung kommen.

    Liebe Grüße,

    Peter

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