Die Versicherung erzählt dir nur Märchen (Teil II)

Fahrradversicherung

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2. Oktober 2014 / geposted in / 0 Kommentare / von Dietmar Türk

Was bisher geschah:

Hans verirrte sich im Wald und landete bei den 7 Zwergen, wo er so manchen Schaden anrichtete. Sein Angebot, die Schäden über seine Versicherung abwickeln zu lassen, stieß bei den Zwergen auf taube Ohren, weil sie die Existenz von Versicherungen für ein Märchen hielten. Also musste Hans notgedrungen monatelang im Bergwerk schuften.

 

Nach fünf Monaten hatte Hansens Schufterei ein Ende. Mit dem Erlös seiner Arbeit gingen die Zwerge zum Markt, um neue Sachen zu kaufen. Doch siehe da: Am Ende des Tages waren ihnen mehr Goldstücke als erwartet übriggeblieben, und sie beschlossen, alles dem Hans zu geben. Schließlich hatte er ja schwer genug dafür gearbeitet. Die Zwerge hatten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, und sie bedauerten aufrichtig, dass sie den armen Mann mehr schuften ließen als notwendig gewesen wäre. Eigentlich hätte er sich die Arbeit sparen können, weil er ja eine Versicherung hatte, die den Schaden bezahlt hätte.

Guter Rat bleibt ungehört

Hans konnte sein Glück kaum fassen. Nach einer ausgelassenen Abschiedsfeier, die bis tief in die Nacht dauerte, machte er sich am nächsten Morgen sogleich auf den Heimweg. Er umarmte die sieben Gesellen, packte seine 44 Goldstücke in einen Beutel und verabschiedete sich mit einem überschwänglichen „Heißa juchhe, was kostet die Welt?“

„Werd nur nicht leichtsinnig!“ rief ihm der älteste Zwerg hinterher. „Übermut tut selten gut!“

Doch das hörte der Hans nimmermehr.

In der ersten Stadt, in der er eine Rast einlegen wollte, traf er am Markt einen Fahrradhändler, und der brauchte nicht lange, um Hans ein funkelnagelneues Fahrrad aufzuschwatzen.

„Ich würde dazu gleich eine Versicherung abschließen“, empfahl ihm der Händler. „In dieser Gegend bist du vor Pannen und Spitzbuben nicht sicher.“

„Ach was“, entgegnete Hans. „Hinter den sieben Bergen hat mir meine Versicherung auch nichts mehr geholfen. Das Geld kann ich mir sparen. Für die Prämie kauf ich mir lieber schönen neuen Tand.“

Wohlgemut radelte Hans davon, und weil er schon lange unterwegs war, kehrte er im nächsten Wirtshaus ein, um seine kluge Entscheidung mit einer deftigen Mahlzeit zu feiern. Für die drei Goldstücke, die er bei der Versicherung gespart hatte, schmiss er ein paar Runden im Wirtshaus. Die Gäste lobten seine kluge Entscheidung, auf die Versicherung zu pfeifen und spendeten ihm reichlich Applaus dafür.

Späte Einsicht

Als Hans nach einer ausgiebigen Mahlzeit aus dem Wirtshaus kam, musste er mit großem Schreck entdecken, dass ihm jemand das Leder vom Sattel gestohlen hatte. Verärgert schob er das Rad zum Fahrradhändler, um sich einen neuen Sattel zu besorgen.

„Das macht sieben Goldstücke“, sagte der Händler mit einem hämischen Lächeln.

„Was grinst du so komisch? Das ist nicht lustig.“

„Ich erinnerte mich gerade, dass du statt der Versicherungsprämie etwas Schönes kaufen wolltest. Hier hast du jetzt deinen schönen Sattel.“

„Die Versicherung hätte mich gerade mal drei Goldstücke aufs ganze Jahr gekostet, jammerte der Unglückliche. „Dafür hätte ich bei einem Diebstahl ein ganzes Fahrrad bekommen. Und jetzt zahl ich sieben für diesen mickrigen Sattel!“

„Ja, so kann’s kommen, wenn man gutgemeinte Ratschläge leichtfertig in den Wind schlägt“, sagte der Händler.

Ein Unglück kommt selten allein

„Das war mir in der Tat eine Lehre. So etwas wird mir so schnell nicht mehr passieren“, dachte Hans und radelte fröhlich weiter. Immerhin konnte er ja noch immer ein kleines Vermögen sein Eigen nennen. Er beschloss, fortan besser auf sein wertvolles Hab und Gut Obacht zu geben und sinnierte vor sich hin, welch schöne Sachen er sich noch um die verbliebenen Goldstücke kaufen würde.

Plötzlich wurde der wackere Radler mit einem ohrenbetäubenden Knall aus seinen Gedanken gerissen. Ein Reifenplatzer – auch das noch!

„Weh mir, ich armer Wicht“, seufzte Hans, „jetzt ist der gute Pneu wohl nimmer dicht.“ Er stieg vom Fahrrad und beschloss, den Rest des Tages Trübsal zu blasen.

Als er unter großem Wehklagen so vor sich hinblies, kam ein Reiter auf einem edlen Rappen des Wegs geritten und bot dem Pechvogel an, ihn samt Fahrrad gegen einen kleinen Obolus von fünf Goldstücken in die Stadt mitzunehmen.

Zähneknirschend nahm Hans das Angebot an, weil ihm ja nichts anderes übrigblieb, wenn er nachts in der Wildnis keinen Spitzbuben in die Hände fallen wollte. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Bei Sonnenuntergang stand er zum dritten Male beim Fahrradhändler, der ihn mit breitem Grinsen empfing.

„Du bist mir ein rechter Hans im Glück! Die sieben Goldstücke für die Reparatur hättest du getrost sparen können, wenn du auf meinen Rat gehört hättest. Auch die Pannenhilfe wäre von der Versicherung gedeckt gewesen. Aber dafür ist es jetzt zu spät.“

Und so kam es, dass dem Hans kein einziges Goldstück in seiner Tasche geblieben war. Das Fahrrad hatte er am Ende des Tages zweimal bezahlt.

 

Und die Moral von der Geschicht?

Wer sich’s leisten kann, der soll frohgemut

auf die Leistungen der Versicherung verzichten.

doch wem wichtig ist der Schutz von Hab und Gut,

wem seine sieben Sachen lieb und teuer sind, kann das mitnichten.

 

Fortsetzung folgt!

 

 

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