Die Versicherung erzählt dir nur Märchen (Teil I)

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19. August 2014 / geposted in / Kommentar / von Dietmar Türk

Geben Sie in die Google-Suchmaske mal „Versicherung“ und „Märchen“ ein. 500.000 Treffer. Dann probieren Sie „Versicherung“ und „Helden“. Über eine Million Treffer. Das sagt doch alles, oder? Eigentlich müssen Sie nicht mehr weiterlesen. Google irrt nie.

Sie haben sich entschlossen, doch weiterzulesen? Auch gut – dann erzähle ich Ihnen jetzt ein Märchen!

Es war einmal im Jahr 1860, da wurde die „Versicherungs-Gesellschaft Oesterreichischer Phönix in Wien“ gegründet. Benannt nach dem sagenumwobenen heiligen Vogel Phönix, der immer wieder verbrennt und aus der Asche verjüngt hervorgeht.

 

Fire bird

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In selbigem Jahr geschah es auch, dass sich ein wackerer Bediensteter dieser Phönix-Versicherung in einem tiefen Wald zwischen den sieben Bergen, von denen der eine der Großglockner und der andere der Kahlenberg ist, verirrte. Sein Name war Hans.

Als er von dem vielen Herumirren vor Hunger, Durst und Schlaf beinahe irre wurde, da geschah ein kleines Wunder. Hans fand ein kleines Häuschen, gar lieblich anzuseh‘n. Er ging schnurstracks hinein und machte sich sogleich über das Essen her, das auf dem kleinen Tischlein angerichtet war.

Das Unheil nimmt seinen Lauf!

Satt und zufrieden ließ er sich auf ein Bettlein fallen, das sogleich unter seinem Gewicht zusammenkrachte.

Am nächsten Morgen erwachte Hans, geweckt von einem ohrenbetäubenden Geschnarche ringsherum. Rechts und links kleine Bettchen, in denen kleine Männlein unter ihren schweren Tuchenten liegen. Ein Traum, denkt Hans und dreht sich zur Seite, schläft weiter, als wäre nichts geschehen.

Zwei Stunden später erwacht er wieder, der Traum ist längst vergessen, doch die bärtigen Männlein liegen noch immer in ihren kleinen Betten. Bunte Zipfelmützen hängen an den Bettpfosten, Werkzeug liegt im ganzen Raum verstreut herum.

Und Hans bemerkt: Das ist das Leben, aus dem es kein Erwachen gibt. Er mustert die kleinen Männchen in ihren Betten und weiß nicht, wie ihm geschieht.

„Guten Morgen“, ruft ihm einer zu.

„Guten Morgen“, erwidert er unsicher.

„Gut geschlafen?“

„Nein“, sagt Hans und will sich schleunigst aus dem Staub machen.

„Halt, Freundchen!“, sagt der Zwerg mit strenger Stimme.

„Was denn? Du wirst mich nicht aufhalten.“

Die Lage eskaliert!

Plötzlich ist Hans umringt von sieben Gestalten, die drohend ihre Schaufeln und Hacken erheben, einer schaut finstrer drein als der andere.

Der erste spricht: „Du hast auf meinem Stühlchen gesessen!“ Der zweite: „Du hast von meinem Tellerchen gegessen!“ Der dritte: „Du hast von meinem Brötchen genommen!“ Der vierte: „Du hast von meinem Gemüschen gegessen!“ Der fünfte: „Du hast mit meinem Gäbelchen gestochen!“ Der sechste: „Du hast mit meinem Messerchen geschnitten!“ Der siebente: „Du hast aus meinem Becherlein getrunken!“ Dann sah sich der erste um und sah, dass auf seinem Bett eine kleine Delle war, da sprach er: „Du hast in mein Bettchen getreten!“

„Zuerst brichst du bei uns ein, stiehlst unser Essen, und dann machst du uns alles kaputt! Den Schaden und die seelische Not, die wir gelitten haben, wirst du wieder gutmachen“, brüllt der Zwerg mit der rosa Zipfelmütze.

„Einbruchdiebstahl, Sachbeschädigung, Vandalismus“, ergänzt der mit der grünen Zipfelmütze.

„Regt euch ab, Leute, das zahlt die Versicherung“, entgegnet Hans. Ich mache mich noch heute auf den Weg, um den Schaden zu melden. (Telefon gab’s zu dieser Zeit noch nicht.)

Es gibt kein Zurück!

„Nix da“, sagt der Zwerg mit der blauen Zipfelmütze, für den Versicherung ein Fremdwort ist. „Du wirst schön mit uns ins Bergwerk gehen und so lange Erz aus dem Berg hauen, bis wir dafür so viele Goldstücke haben, um sie beim Krämer gegen neue Sachen einzutauschen. Du wirst so lange arbeiten müssen, bis der Vollmond fünf Mal über den Berg geklettert ist.“

„Den Teufel werd ich tun“, sagt Hans. „Die Haushaltsversicherung zahlt doch alles.“

„Und wer ist diese Frau Haushaltsversicherung? Mir scheint, du bist nicht recht gescheit im Kopf“, erwidert der Zwerg grimmig. „Niemand zahlt irgendwem auch nur irgendetwas freiwillig. Arbeiten wirst du, bis deine Schuld beglichen ist! Da hilft kein Murren und kein Meckern.“

Und so kam es, wie es kommen musste: Für Hans hieß es fortan, fünf lange Monate sieben Tage die Woche von morgens um sechse bis abends um achte arbeiten, um den Schaden, den er in fahrlässiger Weise angerichtet hatte, wieder gutzumachen.

 

 

Und

Die Moral

von der Geschicht?

Besser ist‘s doch wohl,

eine Versicherung zu haben,

als im finst‘ren Bergwerk tief und hohl

fünf Monat lang von sechs bis 20 Uhr zu graben

 

 

Fortsetzung folgt!

1 Kommentar
  • Doppelte Verneinung! Ja er wir zurecht fünf Monde schuften, zumal er auch einer ist. Hausfriedensbruch unter Vorsatz! Dem Grunde nach ist es Recht die Haushaltsdeckung zu verneinen und in fünf Monden umzudeuten.
    Oswald Szabo – Versicherungsmakler

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