Wien – Barcelona: Radeln für den guten Zweck

Erich Artner am Rad

© Erich Artner


16. Mai 2017 / geposted in / Kommentar / von Stephanie Scheubrein

20 Tage, 18 davon auf dem Sattel, 2.500 Kilometer weit, mit 30.000 Höhenmetern – und zwei Prothesen. Was spornt einen dazu an? Ganz einfach: Der Gedanke, einer Familie damit etwas Gutes zu tun. Das ist Sinn der Charity Cycling Challenge 2017 rund um Erich Artner.

Erich Artner ist selbst vom Schicksal geprägt. Mit 15 Jahren wurden ihm nach einer bakteriellen Infektion beide Beine amputiert. Knapp 15 Jahre später hat Erich vom Sprint-Triathlon über Marathonläufe bis hin zum Ironman zahlreiche sportliche Erfolge hinter sich. Die Leidenschaft zum Sport hat ihn immer schon begleitet. Noch schöner ist es aber, wenn er dabei Menschen, denen es nicht so gut geht, unterstützen kann.

Seine Charity Cycling Challenge 2017 startet am 20. Mai. Wir haben uns davor mit ihm getroffen und ihn zu seinem Schicksal, seinen Visionen, der aktuellen Challenge und was das alles mit der Allianz zu tun hat, befragt.

Mit 14 Jahren wurden dir beide Beine amputiert. Wie kam es dazu?

Ich bin im Dezember 1989 – als HTL-Schüler in der 2. Klasse – an der bakteriellen Infektion Waterhouse-Friderichsen-Syndrom erkrankt. Nach zehn Tagen künstlichem Tiefschlaf und Überlebenschancen von 2 Prozent, haben die Ärzte den Wettlauf gegen die Zeit doch gewonnen. Die Amputation beider Unterschenkel war meine Rettung, da sie den Körper zu stark belastet haben.

Wie bist du dann zum Sport gekommen?

Schon während meiner Rehabilitation am Weißen Hof in Klosterneuburg habe ich Rollstuhlbasketball entdeckt. Das hat mir Spaß gemacht, weil es sowohl eine Ballsportart als auch ein Mannschaftssport ist. Gespielt habe ich dann etwa sechs Jahre – unter anderem im Nationalteam bei der Europameisterschaft in Holland.

Warst du schon immer sportlich?

Ja, ich habe schon während meiner Schulzeit bei West Wien sehr intensiv Handball gespielt, fünf Mal die Woche trainiert und jedes Wochenende zwei bis drei Spiele gehabt. Die Leidenschaft zum Sport hat mich also immer schon begleitet.

Wann hast du mit dem Radfahren begonnen?

Als ich einmal an Schulter und Ellbogen verletzt war, habe ich mir von einem Freund ein Ergometer ausgeborgt, um zuhause ein wenig zu trainieren. Da das gut funktioniert hat, wurde gleich danach mein altes Rennrad aus dem Keller geholt, und ich habe begonnen, auch draußen zu fahren. Das war mein Start in den Ausdauersport.

Vom Ergometer zum Ironman. Was hat dich dazu angespornt?

Im Sommer 2005 war ich mit der Allianz beim Beachvolleyball in Kärnten und habe dort meinen alten Jugendfreund (und Ö3 Mikromann), Tom Walek, getroffen. Tom hatte kurz davor seinen ersten Ironman absolviert und mir vorgeschwärmt, wie toll und beeindruckend dieses Erlebnis war. In dem Moment wurde in mir eine Vision geboren – eine Sehnsucht nach: „Das möchte ich auch.“

Ein Jahr später, 2006, habe ich mit speziellen Laufprothesen – sogenannten Blades – meinen ersten Sprint-Triathlon mit 750m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen absolviert. Ab dann war ich wirklich „infiziert“ und bin 2010 erstmals beim Halb-Ironman in St. Pölten gestartet.

Als Vorbereitung für den ganzen Ironman bin ich 2012 meinen ersten Marathon in Berlin gelaufen, 2013 gleich nochmals, und 2014 habe ich meinen ersten Ironman gefinished.

Erich Artner mit Blades beim Marathon

Erich Artner mit Blades beim Marathon © Erich Artner

Du bist der erste österreichische Ironman Finisher mit zwei Prothesen. Heute hältst du dazu auch regelmäßig Vorträge. Welche Kernbotschaft möchtest du dabei vermitteln?

Der Titel meines Vortrags ist „Ohne Beine zum Ironman. Hürden gibt es nur im Kopf.“ Genau das möchte ich auch mitgeben. Es muss nicht jeder einen Ironman machen, aber es ist wichtig, Visionen zuzulassen und sich zu überlegen: Was sind meine Träume? Wo liegt meine Leidenschaft? Man muss in sich hinein hören, aufmerksam sein und dieser inneren leisen Stimme eine Chance geben. Jeder von uns sollte sich überlegen, was er aus seinem Tag machen will. Auf der anderen Seite geht es darum, diese Leidenschaft auch wirklich umzusetzen und zu Leben.

Das ist wohl eine Kernbotschaft in meinem Vortrag – nicht immer zu sagen, „ich habe keine Zeit.“ Sondern Ausreden keinen Raum zu geben.

Wie kam es dazu, dass du Sport und Charity verbindest?

Die Geburtsstunde war bei einer Rom-Reise auf der Piazza del Popolo. Dort zu sitzen und sich zu überlegen, wie toll es damals gewesen sein muss, wenn Pilger vom einfachen Land in dieser beeindruckenden Stadt ankommen – das muss ein gigantisches Gefühl gewesen sein. Da Pilgern für uns aber kein Thema war, dachten wir, wir radeln einfach von Wien nach Rom. Diese Idee mit einem guten Zweck zu verbinden, war für uns naheliegend. Kurz darauf haben wir Steffi kennengelernt. Steffi sitzt wegen eines Unfalls mit ungewisser Haftung im Rollstuhl. Geld war keines vorhanden. Also haben wir begonnen, unser Netzwerk zu aktivieren und alle, die wir kennen, angeschrieben.

Und diese Idee wurde von eurem Netzwerk mit Begeisterung unterstützt?

Ja, im Endeffekt haben wir Tagesetappen unserer Fahrt an Unternehmen „verkauft“ und im privaten Kreis um Spenden gebeten. In Summe haben wir damals rund 41.000 Euro übergeben – für einen „Hüftschuss“ viel Geld.

Damals, als wir im Mai 2015 in Rom angekommen sind, und du dir denkst, du bist total fertig und alles tut dir weh, hat trotzdem jeder von uns sechs Fahrern gesagt: „Geil, das machen wir wieder.“ Und nach einem Jahr Pause fahren wir heuer für Familie Puschitz nach Barcelona.

CharityCyclingChallenge2017-Team

Das Charity Cycling Challenge 2017 Team
© Gisela Dallamassl

Wieso habt ihr gerade die Familie Puschitz ausgewählt?

Unser Ansinnen ist, ein konkretes Projekt zu unterstützen, im Idealfall mit einem emotionalen Bezugspunkt. Auf die Familie Puschitz sind wir über unseren Fahrer Georg Aichinger gestoßen. Dessen Frau kommt aus Arriach, Kärnten, wo auch die Familie Puschitz lebt und einen Bergbauernhof betreibt. Das Schicksal der Familie ist tragisch: Der Familienvater hatte einen tödlichen Arbeitsunfall mit seinem Traktor. Er war die finanziell erhaltende Kraft der fünfköpfigen Familie, die Mutter hat sich um die drei Kinder und den Hof gekümmert. Jetzt ist sie alleine, hat wieder ihren ursprünglichen Job als Krankenpflegerin begonnen, pendelt täglich zur Arbeit und kümmert sich neben den Kindern auch um den sanierungsbedürftigen Hof. Hier wollen wir gerne zumindest finanziell etwas Trost und Sicherheit bieten.

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Das CCC 2017 Team mit Alexandra Puschitz © Gisela Dallamassl

Eine Frage bleibt aber jetzt noch offen: Was hat Erich Artner mit der Allianz zu tun?

Erich hat 1995 in der Industrieabteilung der Allianz begonnen und in 15 Jahren unterschiedliche Stationen – u.a. auch in der Vertriebssteuerung oder im Maklercenter – durchlaufen. Danach folgten vier Jahre in der Kundenbetreuung in einem der führenden Maklerbüros Österreich bevor er mit seiner Allianz Agentur „Versicherungsagentur Erich Artner“ den Schritt zurück zur Allianz Familie genommen hat. Den Sportler Erich Artner unterstützt die Allianz seit vielen Jahren als Partner.

Wer sich zur Charity Cycling Challenge auf dem Laufenden halten, mehr Details erfahren oder spenden will, findet alle Information auf Facebook hier: https://de-de.facebook.com/CharityCyclingChallenge2017/

 

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