Carsharing und Versicherung: Was müssen Sie wissen?

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1. März 2016 / geposted in / 5 Kommentare / von Kerstin Klement

Carsharing ist eine praktische Erfindung. Wenn man nicht täglich auf ein Auto angewiesen ist, bei Gelegenheit aber trotzdem dessen Bequemlichkeit in Anspruch nehmen möchte, eine gute Alternative. Ich wohne selbst in Wien und bin mit dem öffentlichen Verkehrsnetz vollauf zufrieden und bestens bedient. Aber wenn ich an Besuche im Baumarkt oder Möbelhaus denke oder an Großeinkäufe vor dem langen Wochenende mit Verwandtenbesuch, dann packt mich regelmäßig das Grauen. Das war auch der Grund, warum ich mich vor kurzem bei einem der großen Carsharing-Anbieter angemeldet habe. Aber ich gebe es zu: Meine Jungfernfahrt steht noch aus.

Wie funktioniert Carsharing?

Gut, nochmal zu den Vorteilen, sich ein Auto auszuborgen. Man spart sich Kauf, Tanken, Versicherung, Reparaturen, Service und Parkplatzgebühren, und das sind schon ganz beträchtliche Fixkosten. Stattdessen zahlt man eine Gebühr pro Minute für die Nutzung, wenn man das Auto nicht mehr braucht, stellt man es ab und das war’s. Was ich mich natürlich als Angestellte in einer Versicherungsgesellschaft, die ständig mit dem Thema konfrontiert ist, dann aber besonders interessiert: Wie schaut das eigentlich mit der Versicherung aus? Was ist, wenn ein Unfall passiert? Bin ich dann versichert? Was ist, wenn mein Unfallgegner ein Carsharing-Nutzer ist? Grund genug für mich, eine Recherche zu starten.

Zu Beginn: Carsharing ist nicht allein auf Wien begrenzt, auch wenn das viele glauben. In den meisten größeren Städten in Österreich ist es mittlerweile möglich, sich kurzfristig ein Auto zu mieten, sofern man beim Anbieter angemeldet ist. Wie das alles funktioniert, hat der ÖAMTC hier sehr übersichtlich erläutert – inklusive Checklisten.

Es gibt bis dato sechs kommerzielle Anbieter, auch privates Carsharing wird in Österreich betrieben. Das heißt, dass Privatpersonen ihre Fahrzeuge an andere Leute borgen. In diesem Beitrag möchte ich mich aber dem kommerziellen Carsharing widmen, da diese Variante momentan weiter verbreitet ist.

Wie sind Carsharing-Autos versichert?

Hier die gute Nachricht: Alle Carsharing-Autos sind haftpflichtversichert, das heißt für die Schäden an Dritten kommt die Haftpflichtversicherung des Anbieters auf. Außerdem sind die Fahrzeuge meist vollkaskoversichert, darum muss man sich nicht selbst kümmern, das ist im regulären Tarif bereits enthalten (sollte aber auf jeden Fall noch in den Nutzungsbedingungen der Anbieter nachgelesen werden).

Sie fahren mit einem Carsharing-Auto

Wenn Sie mit dem Carsharing-Fahrzeug einen Unfall haben, müssen Sie mit einem Selbstbehalt bis zu 500 und 750 Euro (je nach Anbieter) rechnen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, diesen Selbstbehalt reduzieren: Entweder durch eine jährliche Pauschale, Sie können das erweiterte Schutzpaket aber auch nach eigenem Ermessen bei jeder Fahrt extra in Anspruch nehmen.

Ihr Unfallgegner fährt mit einem Carsharing-Auto

Nehmen wir an, Sie sind mit Ihrem eigenen Auto unterwegs und haben einen Unfall mit einem Carsharing-Nutzer. Ihre Haftpflichtversicherung macht keinen Unterschied, ob Ihr Unfallgegner mit dem Privatauto oder Carsharing-Auto unterwegs ist. Wenn Sie den Unfall verschuldet haben, leistet Ihre Versicherung zu den gleichen Bedingungen Schadenersatz. Wenn der Unfall vom Gegner mit Carsharing-Auto verschuldet wurde, müssen Sie keine Angst haben – alle Anbieter sind haftpflichtversichert (gesetzlich vorgeschrieben!), Ihr Schaden wird also von der Versicherung des Carsharing-Anbieters übernommen.

Was muss man außerdem bedenken?

Wenn Sie selbst ein Auto besitzen und dafür eine Kfz-Versicherung haben, gilt diese natürlich nur für Ihr eigenes Auto und nicht für das Carsharing-Auto.

Zu Ihrer eigenen Sicherheit ist es außerdem empfehlenswert, eine Unfallversicherung abzuschließen. Diese leistet dann für Ihre körperliche Folgeschäden eines Unfalls. Die gesetzliche Unfallversicherung (AUVA) greift ja nur am Weg zur oder von der Arbeit nach Hause bzw. bei einem Arbeitsunfall (Dienstweg oder ähnliches).

 

Nachdem nun die wichtigsten Fragen geklärt sind, steht ja meiner ersten Carsharing-Fahrt nichts mehr im Weg. Was interessiert Sie zu diesem Thema noch? Wir freuen uns über Kommentare.

 

 

Hier zur Übersicht alle kommerziellen Carsharing-Anbieter in Österreich:

www.drive-now.com mit 400 Fahrzeugen in Wien

www.zipcar.at österreichweit in 17 Städten und 19 Bahnhöfen

www.car2go.at in Wien

www.fahre-emil.at in Salzburg

www.futuredriving.at E-Auto Vermietung in Pfaffendorf

www.blitzzcar.at mit Blitzzcall Bring-& Holservice

5 Kommentare
  • Wer spontane Flexibilität zu schätzen weiß, aber nicht ständig ein eigenes Auto braucht ist ein Fan von Carsharing. Das dabei Unfälle oder auch kleine Schäden beim einparken entstehen können ist unvermeidlich. In der Praxis sind allerdings nicht alle Fahrer so ehrlich und überlassen ein beschädigtes Auto dem nächsten Nutzer. Problem: die meisten steigen einfach ein, ohne zu überprüfen, ob der Vorgänger nicht doch den ein oder anderen Kratzer hinterlassen hat. Für diesen muss man dann unter Umständen selbst haften. Auch wenn die meisten Nutzer sie vielleicht noch nie gelesen haben, so sind sie doch nach den meisten allgemeinen Geschäftsbedingungen gerade dazu verpflichtet einen Kontrollrundgang durchzuführen. Wenn man dies vernachlässigt und mögliche Schäden nicht gemeldet werden, kann der Selbstbehalt weg sein. Es empfiehlt sich für die einzelne Fahrt etwas mehr zu zahlen und im Gegenzug den Selbstbehalt niedrig zu halten oder auszuschließen.

    • Lieber Herr Samimi,

      da haben Sie vollkommen Recht, lieber auf Nummer Sicher gehen: Vor dem Losfahren auf eventuelle Schäden überprüfen und Selbstbehalt reduzieren ist auf jeden Fall empfehlenswert.

      Liebe Grüße
      Kerstin Klement

  • Kunden von Flinkster mussen mit 1500 Euro am meisten selbst tragen, fur 90 Euro pro Jahr sinkt die Beteiligung aber auf 300 Euro. Doch was, wenn man den geteilten Wagen oder das Teilzeit-Fahrrad wegen technischer Probleme nicht mehr loswird?

    • Dann ist es am besten, so schnell wie möglich die Service-Hotline des Sharing-Anbieters zu kontaktieren.

      Liebe Grüße
      Kerstin Klement

  • Es gibt auch die Möglichkeit eine Versichung abzuschließen mit der man den Selbstbehalt beim Carsharing weiter reduzieren kann, oder der Selbstbehalt überhaupt von der Versicherung übernommen wird.

    z.B.: https://www.leihwagenversicherung.de/carshare-club-versicherung.html.

    Gibt es so eine Versichung auch von Allianz?

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