Das konkrete Problem mit der abstrakten Verweisbarkeit

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist noch kaum verbreitet, obwohl deren Wichtigkeit erkannt wird.

© Günter Kornfeld


8. Oktober 2014 / geposted in / 0 Kommentare / von Günter Kornfeld

Immer wieder aufs Neue wundere ich mich darüber, was alles an unwichtigen Dingen versichert wird – und dass wirklich Wichtiges bewusst oder unbewusst außen vor bleibt: wie etwa die eigene Arbeitskraft.

Gegen eine entsprechende Prämie lässt sich ja so gut wie alles versichern: die langen Beine eines Filmstars ebenso wie Kopf- und Brusthaare – oder etwas alltagsnäher, die Tiefkühlpizza sowie das Smartphone, wenn’s ins Wasser fallen sollte. Nun mögen für einen Filmstar seine Beine ja tatsächlich wichtig sein, um zu entsprechenden Rollen und einer Millionen-Gage zu kommen, doch wie kann bitte eine durch Stromausfall aufgetaute Tiefkühlpizza existenzbedrohend sein? Höchstens, wenn man sie isst.

So gesehen, ist es schon ganz gut, dass heuer in Österreich mehr als 1,2 Millionen Verständigungen zum Thema Pensionskonto ausgeschickt werden. Was auf dieser Info über die erfolgte Kontoerstgutschrift draufsteht, ist jetzt zwar auch nicht gleich so aufschlussreich, aber zumindest ein Denkanstoß.

Pensionslücke klar vor Augen

Denn Arbeitnehmer und Selbständige sehen damit erstmals schwarz auf weiß, mit welcher monatlichen Bruttopension sie aktuell rechnen können, wenn sie bis zum Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters arbeiten. Zu diesem Wert kommen in der Regel bis zum Pensionsantritt noch weitere Pensionszeiten dazu, und damit schaut die Pensionslücke – also die Differenz zwischen Aktiv- und Pensionseinkommen – oft halb so schlimm aus. Zumindest auf den ersten Blick.

Mit dem ersten Blick ist es aber so, dass da manchmal etwas übersehen wird: Was passiert nämlich, wenn jemand nicht bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten will – oder arbeiten kann? In diesem Fall ist die Lücke ganz schnell wirklich eine. Lässt sich dann der bisherige Lebensstandard halten? Wie steht es um die Hinterbliebenen? Wohnen, Heizen, Auto und Urlaub werden da schnell zum nicht mehr leistbaren Luxus.

Auslaufmodell Invaliditätspension

Übersehen – oder verdrängt? – wird nämlich die Tatsache, dass der Gesetzgeber mit Jahresbeginn 2014 den Zugang zur Invaliditätspension massiv erschwert hat.

Diese gibt es seither in der gewohnten Form nur mehr bei dauerhafter Invalidität. Wer jünger ist als 50, der bekommt nun bei einer nur vorübergehenden Berufsunfähigkeit statt einer befristeten Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension ein Rehabilitationsgeld bzw. ein Umschulungsgeld ausbezahlt.

Kann jemand somit den angestammten Beruf nicht mehr ausüben, ist aber auf Grund seiner Fähigkeiten für eine andere Tätigkeit geeignet, dann greift die so genannte abstrakte Verweisbarkeit: Fehlen also die Beine – kein Problem. Denn für Büroarbeit oder zum Telefonieren braucht man ohnedies nur Kopf und Arme und kann folglich an zweckmäßigen und zumutbaren Maßnahmen teilnehmen und damit die Chancen auf Beschäftigung steigern.

Private Versicherung gibt Planungssicherheit

Bei der Allianz kann auf keinen anderen Beruf abstrakt verwiesen werden, für die Feststellung der Berufsunfähigkeit (BU) gilt der zuletzt ausgeübte Beruf – fast alle anderen privaten Anbieter von BU-Pensionen halten es ebenso.

Die Berufskasko der Allianz leistet unabhängig vom Alter und auch bei vorübergehender Berufsunfähigkeit: sobald jemand für voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen zu mindestens 50 Prozent außerstande ist, seinen aktuellen Beruf auszuüben. Und für jene Menschen, die vor allem manuell arbeiten und deshalb früher kaum eine Versicherungsdeckung bekommen konnten, ist die Körperkasko genau das Richtige. Denn diese leistet, sobald für voraussichtlich zwölf Monate ununterbrochen definierte körperliche oder geistige Fähigkeiten beeinträchtigt sind.

Gewollt und ungeliebt zugleich

Lösungen gibt es also, nur dem Problem stellen muss man sich. Und da ist es schon wirklich verwunderlich, dass Krankheit und Jobverlust zwar zu den am häufigsten genannten Befürchtungen der Österreicherinnen und Österreicher zählen, gerade die BU- bzw. Erwerbsunfähigkeitsversicherung aber noch immer solch ein Schattendasein führt.

Dabei sorgt gerade diese dafür, dass im Fall des Falles Miete und Kreditrate weiter bedient werden können und der Lebensstandard aufrecht erhalten bleibt. Und das ist wohl schwerwiegender, als wenn das Handy runterfällt. Oder?

 

 

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